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Eß, Leander van

Kath. Theologe
* 15.02.1772 Warburg/Westfalen
† 13.10.1847 Affolterbach
Bruder Leander, eigentlich Johann Heinrich van Eß, war 1790/91 mit einjährigem Noviziat in die westfälische Benediktinerabtei Marienmünster eingetreten. 1799 Betreuer der kath. Diaspora-Pfarrei Schwalenberg, kam er durch Wilhelmine von Oeynhausen mit der evangelikalen Erweckungsbewegung in Berührung. Die Bemühungen um eine „christkatholische“ Bibelarbeit führten 1807 zu einer zunächst auf eigene Kosten publizierten deutschen Übersetzung des Neuen Testaments, deren Verbreitung von Bibelgesellschaften wie der Christentumsgesellschaft in Basel, vor allem aber der „British and Foreign Bible Society“ in London unterstützt wurde, sodass in den folgenden 20 Jahren fast 600.000 Exemplare seines Testaments verteilt wurden. Nach Gründung des Königreichs Westphalen erhielt Eß eine Pfarrstelle an der Elisabethkirche in Marburg, verbunden mit einer kath. Professur an der Theologischen Fakultät der Universität. Konflikte mit der Amtskirche führten zur Verlegung seiner hauptamtlich betriebenen Bibelarbeit nach DA, wo er von 1822 bis 1835 lebte. Hausgenossen waren der von Eß adoptierte Leo von Elliott (1816-1890), der später als erfolgreicher Pressezeichner und Karikaturist in Brüssel wirkte, und der zum Landwirt ausgebildete Neffe und Patensohn Leander Heidenreich (1814-1881), mit dem Eß zunächst auf ein von ihm finanziertes Gut bei Alzey, dann nach Affolterbach im Odenwald zog.

Lit.: Altenberend, Johannes: Leander van Eß. Bibelübersetzter und Bibelverbreiter zwischen kath. Aufklärung und evangelikaler Erweckungsbewegung, Paderborn 2001; Franz, Eckhart G.: Revolution, Krieg und Streik. Weltausstellung und Volksfest. Der Illustrator und Karikaturist Leo von Elliot (1816-1890), Darmstadt 2000.