Stadtlexikon Darmstadt

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Eisenbahn-Ausbesserungswerk
Die „Knell“ aus der Vogelperspektive vor dem Abriss der Werkstatthallen, 2001; links die Frankfurter Straße, im Vordergrund der Carl-Schenck-Ring, Foto: Nikolaus Heiss, Darmstadt

Bis zum Juni 2000 wurden auf dem 15.000 qm großen Eisenbahn-Ausbesserungswerk an der Frankfurter Straße Radsätze instand gesetzt. Der dabei entstandene knallende Lärm, der bis in das angrenzende Johannesviertel hinüber hallte, brachte dem Gelände die Bezeichnung „Knell“ ein. Das Eisenbahn-Ausbesserungswerk war am 14.02.1873 als zentrale Werkstätte der Hessischen Ludwigsbahn an der Strecke Mainz-DA-Aschaffenburg in Betrieb genommen worden (Eisenbahn). Nach der Verstaatlichung der Ludwigsbahn und der Vereinigung mit der Main-Neckar-Bahn war das Eisenbahn-Ausbesserungswerk als Werkstättenamt I (später Hauptwerkstätte 1) für die Instandhaltung von Güter- und Personenwagen zuständig. Das Werkstättenamt II (Hauptwerkstätte 2) für die Wartung der Loks, das 1955 aufgegeben wurde, befand sich am Dornheimer Weg. Nachdem das Eisenbahn-Ausbesserungswerk stillgelegt war, kaufte die Stadt im Juli 2002 das Gelände und erwarb damit direkten Einfluss auf die weitere Standortentwicklung. Planungsziel war ein umfangreicher Stadtumbau, die so genannte Rochade. Es war vorgesehen, die städtischen Ver- und Entsorgungsbetriebe auf das Knellgelände zu verlegen und die durch die Verlegung innerstädtisch frei werdenden Flächen dem Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Aufgrund der Restriktionen durch die in Brüssel Ende 2003 novellierte Seveso II Richtlinie mussten die Planungen neu überdacht werden. Auf die veränderten Gegebenheiten reagierte die Darmstädter Stadtentwicklung, indem sie auf die Stärkung des Chemiestandorts setzte. Sie hat u. a. die in der Nachbarschaft gelegenen Flächen der Firma Merck für betriebliche Belange zum Kauf angeboten.

Ungeachtet der veränderten Gegebenheiten konnten die wesentlichen Teile der Rochade durchgeführt werden, nachdem das gesamte Knell-Gelände bis 2007 geräumt und Altlasten beseitigt waren. Zunächst errichtete die HSE (Entega) hier ihre neue Hauptverwaltung, die im Herbst 2009 bezogen wurde, außerdem ein modernes Gasturbinenkraftwerk (2010). Im Nordosten errichtete der Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD, Stadtreinigung) seine neue Zentrale (2011). Auf dem südlichen Teil des Geländes stehen heute Unternehmen der Nahversorgung der angrenzenden Wohngebiete. Ein Restgrundstück von knapp 30.000 qm im Nordosten harrt noch eines Investors. An das ehemalige Eisenbahnausbesserungswerk erinnern heute nur noch der alte Wasserturm und die beiden Spitzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg.