Stadtlexikon Darmstadt

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Eigenbrodt, Karl Christian

Jurist, Verwaltungsreformer
* 20. od. 26.11.1769 Hof Lauterbach bei Vöhl
† 11.05.1839 Darmstadt
Vater Wilhelm Ernst, in seiner Jugend niederländischer Offizier, bewirtschaftete einen Hof in der ehemaligen Herrschaft Itter, dem nördlichsten Zipfel der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Der Sohn kam auf das Gymnasium im nahe gelegenen waldeckischen Korbach und studierte Jura an der hessen-kassel’schen Universität Rinteln. Auf das Abschlussexamen in Gießen folgte ein Ergänzungsstudium in den so genannten Kameralwissenschaften bei August Friedrich Wilhelm Crome. Erste Publikationen über Steuerfragen fanden Anerkennung. Mehrjährige Tätigkeit in der von Hammerstein’schen Güterverwaltung in Westfalen vermittelte praktische Erfahrung. Ende 1803 wurde Eigenbrodt als staatswissenschaftlicher Experte in die neu aufgebaute Verwaltung des mit dem Reichsdeputationshauptschluss an Hessen-Darmstadt gefallenen Herzogtums Westfalen in Arnsberg berufen, wo er u. a. die Neuanlage der Steuerkataster organisierte. Der bereits bewährte Reformer kam 1809 als Oberforstrat an das nunmehr Großherzogliche Oberforstkolleg in DA. Er bearbeitete ein vierbändiges „Handbuch der (…) hessischen Verordnungen“ und wirkte in der 1817 berufenen Kommission zur Ausarbeitung eines Bürgerlichen Gesetzbuchs mit. Gewählter Präsident der Zweiten Kammer im Verfassungslandtag von 1820, hatte er maßgeblichen Anteil an der Ausarbeitung des endgültigen Verfassungstextes. Mit der Neubildung der Landesregierung 1821 folgte die Ernennung zum Geheimen Staatsrat und damit zweiten Mann im Finanzministerium. Nach Entbindung von den laufenden Verwaltungsaufgaben wirkte Eigenbrodt 1831 als Gründungspräsident des „Landwirtschaftlichen Vereins für das Großherzogtum Hessen“, eine Rolle, die er auch im 1833 begründeten Historischen Verein übernahm. Dass dies keineswegs nur ein Ehrenamt war, belegen zahlreiche Aufsätze in den ersten Bänden des „Archivs für hessische Geschichte und Altertumskunde“.

Lit.: Esselborn, Karl: Hessische Lebensläufe, Darmstadt 1979, S. 91-99.