Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Castritius, Matthias

Rechtsgelehrter
* ca. 1530 Darmstadt
† ca. 10.03.1582 Frankfurt/Main
Matthias Castritius, aus der weit verzeigten Familie Geltzenleuchter stammend, nannte sich 1545 bei der Aufnahme des Jurastudiums an der Marburger Universität Matthias Castratorius (Castratorius wäre die adäquate Übersetzung des Berufsnamens Geltzenleuchter). Bei Fortsetzung seines Studiums an der Universität Heidelberg 1551 vereinfachte er diese Latinisierung in Castritius; als Doktor beider Rechte taucht er fortan in zahlreichen Dokumenten und Publikationen ausschließlich als Matthias Castritius aus DA (worauf er anscheinend großen Wert legte) auf. Anschließend wirkte er (bis 1555) als Lehrer an der Augustinerschule in Friedberg, wechselte dann in die Funktion eines kaiserlichen Rats und Syndikus der Burg Friedberg über. Die Burg Friedberg war ein verfassungsrechtliches Fossil, das bis zum Ende des Alten Reichs 1806 als selbstständiges, direkt dem Kaiser unterstelltes Territorium bestand. 1579 kündigte Castritius gegenüber Reich und Burg seine Dienste auf. Bereits drei Jahre zuvor hatte er das Haus „Zum Bock“ in Frankfurt/M. erworben, wohin er dann auch nach dem Ende seiner beruflichen Tätigkeit verzog. Begraben wurde Castritius, der zweimal verheiratet war und wohl mehrere Kinder hatte, am 10.03.1582 in Frankfurt (sein Tod war wohl am selben Tag oder einen Tag zuvor erfolgt). Der Grabstein seiner ersten Frau, Ottilie von Brussel, gest. 1566, befindet sich heute in der Stadtkirche von Friedberg (mit seinem und dem Wappen seiner Frau). Castritius war wissenschaftlich sehr produktiv, zudem ist er als Verfasser juristischer Auftragsarbeiten nachweisbar. Hervorzuheben sind neben Kommentaren zu damals bedeutenden juristischen Werken (Practica Forensis des Masuerius; Liber de Exceptionibus des M. Nepos von Monte Albano) seine Auftragsarbeiten: Er verfasste eine wegen ihrer vergleichsweise modernen strafrechtlichen Ausrichtung gerühmte Halsgerichtsordnung für den Hof Häusel der Herrschaft Eppstein und eine auf 1562 zu datierende Judenordnung für die Herrschaft Münzenberg. Zudem trat er auch als Historiker in Erscheinung. 1565 erschien in Basel aus seiner Feder eine Darstellung der „Deutschen Geschichte“, die er dem deutschen Kaiser Maximilian II. widmete. Ungedruckt blieben seine Geschichte von Stadt und Burg Friedberg und eine Geschichte des hessischen Landgrafenhauses.

Lit.: Roth, F.W.E.: Matthias Castritius, Rechtsgelehrter aus Darmstadt 1553. In: Hessische Chronik 6, 1917, S. 66f.; Castritius, Helmut: Matthias Castritius, Rechtsgelehrter aus Darmstadt. In: Hessische Familienkunde 12, 1975, S. 309-312; Noack, Karl: Umformung und Übersetzung Darmstädter Familiennamen ins Klassische. In: Volk und Scholle 5, 1927, S. 346f.; Arheilger Familien, hrsg. v. d. Arbeitsgruppe Familienforschung Arheilgen (AFA), Darmstadt 2004, S. 100-103.