Stadtlexikon Darmstadt

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Bürgerpark
Müllersteich im Bürgerpark Nord, 1982, Foto: Roland Koch, Stadtarchiv Darmstadt

Das Gelände zwischen Arheilger Straße im Westen, Rhönring im Süden, Kranichsteiner Straße im Osten und Martin-Luther-King-Ring im Norden, der heutige Bürgerpark, war noch Anfang der 1970er Jahre geprägt von kleingärtnerischer Nutzung, großen Brachflächen, die teilweise als Übungsgelände des THW genutzt wurden, sowie Resten offen gelassener Tongruben von ehemaligen Ziegeleien. Warum diese Verschwendung potenziellen Baulands unmittelbar am Rande der Kernstadt, das selbst im Flächennutzungsplan aus dem Jahr 1961 noch als Neuordnungsgebiet ausgewiesen war? Schon während des gründerzeitlichen Baubooms wurde dieses Gelände als Bauerwartungsland gehandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg sollte hier die Erweiterung der TH Darmstadt (TU Darmstadt) in naher Verbindung zu ihrem innerstädtischen Standort erfolgen. Aufgrund des hohen Grundwasserstands und des jahrhundertlangen Abbaus des hier anstehenden Tons blieb das Gelände trotz seiner günstigen Lage unbebaut. Einige der Tongruben wurden nach der Ausbeutung nicht verfüllt, andere mit unterschiedlichen Materialien wieder zugeschüttet. Die Lage der verfüllten Gruben wurde kartografisch nicht festgehalten, sodass bei Realisierung größerer Baumaßnahmen unkalkulierbare Technik- und Finanzierungsprobleme zu befürchten waren. So fand die Erweiterung der TH Darmstadt ihren neuen Standort auf dem Lichtwiesengelände im Osten der Stadt (TU Darmstadt, Standort Lichtwiese). Die Lichtwiese war früher vergnüglicher Tummelplatz für die Darmstädter Bevölkerung mit Schauflügen (Flugplätze), Ausstellungen und Volksbelustigung aller Art. Für diesen Verlust galt es nun ein entsprechendes Äquivalent zu finden. Dies wurde möglich, nachdem der Bebauungsplan von 1974 das ursprüngliche Bauerwartungsland in den oben genannten Grenzen nun als Parkfläche festschrieb und die Stadt DA das Gelände des Karlshofs westlich der Kranichsteiner Straße erwerben konnte. Das Gartenamt der Stadt wurde beauftragt, eine Planungskonzeption zu erarbeiten mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten. Aus der Vielzahl geäußerter Wünsche wurden drei sehr unterschiedliche Nutzungen in die Planung aufgenommen, sodass die endgültige Planfassung drei Nutzungszonen auswies: Bildungseinrichtungen im Süden, Sportanlagen in der Mitte und im Norden der landschaftlich gestaltete Parkteil für die „Stille Erholung“. Mit dem Ausbau des Parks, DAs jüngstem Park mit rund 100 Hektar, wurde 1974 begonnen. Aus Kostengründen musste bauabschnittsweise gearbeitet werden, teilweise in sehr kleinen Bauabschnitten, sodass der Ausbau erst nach 25 Jahren Bauzeit seinen Abschluss fand.

Der Park gliedert sich, wie schon erwähnt, in drei verschiedene Funktionsbereiche: Im Süden, wo die Untergrundverhältnisse noch kalkulierbar waren, entwickelte sich der Schulbereich mit dem neuen Berufsschulzentrum (Berufliches Schulwesen), der Christoph-Graupner-Schule, der Ernst-Elias-Niebergall-Schule, der Bernhard-Adelung- und Christian-Morgenstern-Schule. Nördlich daran erschließt sich die Sportzone mit dem Schul- und Jedermannsport und dem Leichtathletik-Leistungszentrum (Sport in DA). Darüber hinaus folgt bis zur nördlichsten Grenze, dem Martin-Luther-King-Ring, der landschaftlich gestaltete Parkteil mit Hügeln, Seen, Gehölzpartien, Waldbereichen und Wiesenflächen, verbunden mit einem interessant gestalteten Wegenetz. Bei der Planung und Ausführung war es wichtig, eine Verknüpfung der drei Funktionszonen zu gewährleisten. Es wurden daher alle Wege als öffentliche Wege festgelegt und zu besseren Blickbeziehungen, vor allem im Sportbereich, durch Geländemodellierungen teilweise in die 1. Etage verlegt. Dadurch erhielt das einst völlig flache Gelände seinen besonderen Reiz und für den Parkbesucher entstanden immer wieder neue Ausblicke in den Park und seine Umgebung. Die ehemals offen gelassenen Tongruben wurden durch umfangreiche Rekultivierungsmaßnahmen in den Park einbezogen und bilden heute eine interessante Seenkette mit artenreichen Ufer- und Sumpfbiotopen als Lebensraum für sehr viele Tiere und Pflanzen. Der Park bietet den Spaziergängern ausreichende Ruhemöglichkeiten, Wiesen zum Lagern und Spielen mit entsprechenden Spieleinrichtungen. Besonders erwähnenswert ist der traumhafte Blick vom „Watzebuckel“ nach Süden über die Stadt und nach Norden über Arheilgen bis zum Taunus. Der Park wurde zwischenzeitlich, vor allem für die Bürger des dicht besiedelten Martinsviertels und für die Menschen in Neu-Kranichstein, ein wichtiger Ort der Naherholung und hat stadträumlich als größter zentraler Freiraum einen besonders hohen ökologischen Stellenwert.