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Darmstadtium
Darmstadtium-Atom, © GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

 

Die chemischen Elemente sind die Bausteine aller Stoffe und die Grundlage für unser Leben. Im Periodensystem sind alle bekannten chemischen Elemente in einer Tabelle zusammengefasst. Die Wissenschaftler interessieren sich dafür, welches das schwerste Element ist und wo das Periodensystem endet. Aus diesem Grund versuchen sie, neue superschwere Elemente zu erzeugen, viel schwerer als die, die auf der Erde vorkommen, um grundlegende Erkenntnisse über den Aufbau der Materie und die Kernreaktionen im Inneren von Sternen zu gewinnen. Bei der GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH gelang am 09.11.1994 einem internationalen Team von Wissenschaftlern um Sigurd Hofmann die Entdeckung des Elements 110. Um es zu erzeugen, verwendete man die zwei natürlichen Elemente Nickel und Blei. Deren Atomkerne besitzen zusammen genommen 110 Protonen. Das ist genau die Anzahl der Protonen des Elements 110. Mit dem 120 Meter langen GSI-Ionenbeschleuniger beschleunigten die Forscher geladene Nickel-Atome, das heißt Nickel-Ionen, auf etwa 30.000 Kilometer pro Sekunde. Die Nickel-Ionen schossen sie dann auf eine dünne Folie aus Blei. Durch die hohe Geschwindigkeit kann die Abstoßung zwischen den Nickel- und Blei-Kernen überwunden werden und in sehr seltenen Fällen verschmelzen beide zu Element 110. Das neue Element ist nicht stabil. Es zerfällt in Bruchteilen von Sekunden und wandelt sich in mehreren Stufen in andere leichtere Elemente um. Dabei sendet es jeweils ein Alpha-Teilchen aus. Mit einem empfindlichen Nachweis-Detektorsystem konnten die Forscher diese ausgesandten Alpha-Teilchen exakt vermessen und somit das neue Element eindeutig identifizieren. In weiteren Experimenten konnten GSI und andere Labore weltweit die Entdeckung bestätigen. Daraufhin hat der internationale Chemikerverband IUPAC (International Union of Pure and Applied Chemistry) im Jahr 2001 GSI das Entdeckerrecht zugesprochen und GSI aufgefordert, einen Namensvorschlag zu machen.

Am 15.08.2003 hat die IUPAC den Namensvorschlag „Darmstadtium“ mit dem chemischen Symbol „Ds“ akzeptiert. In einem Festakt am 02.12.2003 wurde das Element 110 offiziell getauft. Taufpaten waren die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, und OB Peter Benz. Zur Taufe haben Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit Musiklehrern der Georg-Büchner-Schule in DA eigens eine Aufführung über die "Geburt der chemischen Elemente" entworfen und präsentiert. Mit dem Namen Darmstadtium wird der Entdeckerort des Elements 110, die Stadt DA, aber auch die Verbundenheit der GSI mit der Stadt dokumentiert. DA ist damit die einzige deutsche Stadt und die siebte weltweit, nach der ein Element benannt ist, und wird in allen Schul- und Lehrbüchern auf der ganzen Welt erscheinen. Bei der Grundsteinlegung des Wissenschafts- und Kongresszentrums (Kongressgebäude) am 22.04.2005 wurde diesem ebenfalls der Name „Darmstadtium“ gegeben.