Stadtlexikon Darmstadt

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Busch, Hans

Elektroingenieur
* 27.02.1884 Jüchen/Rheinland
† 16.12.1973 Darmstadt
Nach Aufnahme des Studiums in Berlin studierte Hans Busch Physik in Göttingen, wo er promovierte, sich habilitierte und als Assistent tätig war. 1920 ging er als Privatdozent an die Universität Jena. Hier entstand schon 1926 seine wegweisende Arbeit über die Berechnung der Bahnen von Kathodenstrahlen im axialsymmetrischen elektromagnetischen Feld. Damit begründete er die Elektronenoptik und schuf die Voraussetzung für die spätere Entwicklung magnetischer Elektronenmikroskope. 1927 übernahm Busch die technische Leitung der Fernkabelfabrik der AEG in Berlin. 1930 folgte er einem Ruf an die TH Darmstadt (TU Darmstadt), wo er 22 Jahre bis zu seiner Emeritierung als o. Professor für Fernmeldetechnik wirkte. Busch lässt sich wie viele Professoren seiner Generation politisch als nationalkonservativ beschreiben. In der Weimarer Republik war er Mitglied der DNVP. Im Nationalsozialismus bekleidete er im Hochschuljahr 1933/34 das Amt des Rektors. Damit war er vermutlich der letzte vom Kollegium gewählte Rektor der TH Darmstadt im Nationalsozialismus. Von den NS-Aktivisten im wissenschaftlichen Nachwuchs wurde er in dieser Zeit als reaktionär und gegen den Nationalsozialismus eingestellt angefeindet.1934 wurde das von ihm weitschauend geplante Institut für Fernmeldetechnik in der Schlossgartenstraße bezogen. Im Zweiten Weltkrieg gehörte er zu den zehn Darmstädter Professoren, die im Rahmen des „Vorhabens Peenemünde“ an der Entwicklung der V2-Rakete beteiligt waren. Sein Institut entwickelte den technisch innovativen Datensender „Messina II“, der nicht mehr in der Praxis zum Einsatz kam. Die TH Darmstadt schuf ihm ein bleibendes Andenken, als sie den Ende 1972 fertig gestellten Neubau der Nachrichtentechnischen Institute in der Merckstraße „Hans-Busch-Institut“ benannte. Busch dankte für „eine der schönsten und
größten Ehrungen, die einem Hochschullehrer widerfahren kann“; sie sei „ein kleiner Schritt in die Ewigkeit“. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Alten Friedhof in DA.

Lit.: Technische Bildung in Darmstadt. Die Entwicklung der Technischen Hochschule 1836-1986, 6 Bde., Darmstadt 1995-2000, Bd. 5, S. 30; Göller, Andreas: Praxis - Theorie - Innovation. Zur Geschichte der Elektrotechnik an der TH Darmstadt 1882-1945. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, NF 65, 2007, S. 165-198; Hanel, Melanie: Normalität unter Ausnahmebedingungen. Die TH Darmstadt im Nationalsozialismus, Darmstadt 2014, S. 140 ff., S. 300, S. 306 ff.