Stadtlexikon Darmstadt

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Berchelmann, Friedrich Wilhelm

Ev. Theologe, Superintendent
* 1679 Potsdam
† 30.11.1754 Darmstadt
Einem Pfarrhaus entstammend studierte Friedrich Wilhelm Berchelmann nach Besuch des Pädagogiums in Halle (ab 1694) dort ab 1699 bei den berühmten pietistischen Theologen Francke, Lange und Breithaupt Ev. Theologie. Nach ausgedehnten Studienreisen auch nach England, Dänemark und Holland war er von 1708 bis 1709 Feldprediger in Holland, 1711 bis 1714 Hofdiakonus in Erbach-Fürstenau, 1714 bis 1716 Pfarrer in Brensbach, 1716 bis 1730 Hofprediger, dann Oberhofprediger und ab 1752 zugleich Superintendent in DA. Noch in Brensbach heiratete er eine Frankfurter Kaufmannstochter aus dem Geschlecht Winckelmann. Aus der Ehe gingen neun Söhne und drei Töchter hervor. Berchelmann war ein gelehrter, vom Studium in Halle her ein eher dem Pietismus nahe stehender Theologe und geschätzter Vertreter des Kirchenregiments. 1721 erschien von ihm in DA ein Gebetbuch mit dem Titel: „Wahrer Christen geistliches Rauchopfer, das ist Christliches Gebetbuch, in vier Theile verfasset“, das er nach Strieder „in den Tagen und Nächten verfertigt hat, die er in einem langwierigen Krankenlager bey der damaligen Erbprinzessin zubringen mußte“. Das Tabakrauchen sah er nicht als Vergnügen oder als „Mittel zur Rekreation des Körpers“ an, sondern als Schutz- und Heilmittel zur Erhaltung der Gesundheit, eine im 18. Jahrhundert weit verbreitete Auffassung.

Lit.: Strieder, Friedrich Wilhelm: Grundlage zu einer Hessischen Gelehrten- und Schriftsteller-Geschichte, Göttingen 1781, Bd. 1, S. 349-356; Dienst, Karl: Darmstadt und die evangelische Kirchengeschichte in Hessen, Darmstadt 2007 (Reg.).