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Quäker-Speisung
Kinderdankfest für die QuäkerSpeisung am 25.09.1924 in der Jägertorschule mit Bürgermeister Heinrich Delp, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Allgemeingültig gewordener Begriff für die Schulkinderspeisung in den Not- und Hungerjahren nach den beiden Weltkriegen, die von humanitären Hilfsorganisationen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens ermöglicht wurde, in erster Linie aber vom finanziellen und persönlichen Engagement der Glaubensgemeinschaft der Quäker (eigentlich: Gesellschaft der Freunde) abhing. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde in DA eine von ausländischen Hilfsgeldern unterstützte Schulkinderspeisung in dem Zeitraum zwischen Frühjahr 1920 und April 1925 durchgeführt. Auf dem Höhepunkt der Maßnahme in den frühen 1920er Jahren wurden täglich 5.400 Essen an die Darmstädter Schuljugend ausgegeben, was etwa 50 Prozent aller Schüler und Schülerinnen entsprach. Zum Zeitpunkt des Auslaufens der ausländischen Spenden-Sammelaktionen im Oktober 1924 betrug die Zahl der täglichen Schüler-Freitische noch 1.460. Auf das Reich bezogen sind in dem fraglichen Zeitraum 74,3 Millionen Goldmark für die Quäker-Speisung aufgewendet worden, davon trugen die Quäker und ihre angeschlossenen Organisationen 52,9 Millionen Goldmark, den Rest steuerte das Reich bei. Am Ende jeder Sommerspeisezeit fanden in den Darmstädter Schulen „Kinderdankfeste“ statt, bei denen Dankesbriefe und von den Kindern selbst gebastelte Geschenke für die ausländischen Spender eingesammelt wurden. Eine vergleichbare Hilfsaktion amerikanischer Wohlfahrtsorganisationen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs setzte 1946 ein und wurde unter dem Dach des CRALOG (Council of Relief Agencies Licensed for Operation in Germany) abgewickelt. Auch in diesem Fall trugen die Quäker die Hauptlast des Spendenaufkommens. Die erforderlichen Lebensmittel der Quäker-Speisung kamen größtenteils aus den USA in Form von Naturalspenden und wurden vom Landesernährungsamt in Frankfurt/Main an die örtlichen Ernährungs- und Wirtschaftsämter weitergeleitet. Schulärzte wählten die Kinder aus, die an der Quäker-Speisung teilnehmen konnten, regelmäßige Berichte des örtlichen Ernährungsamts informierten die amerikanischen Hilfsorganisationen über den Nahrungsmittelbedarf für die Quäker-Speisung und den Gesundheitszustand der Darmstädter Schulkinder. Allein 1946 konnten in DA rund 9.000 Kinder an der Quäker-Speisung teilnehmen.