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Autenrieth, Erste Darmstädter Karosseriewerke
Karosseriewerke Autenrieth in den 1920er Jahren, Foto: Automobilhist. Archiv W. Schollenberger, Ober-Ramstadt

Georg Autenrieth hatte 1912 die „Karosseriewerke Weinsberg“ in Weinsberg mitbegründet. 1921 trennte er sich von seinem Partner Fritz Eisenlohr, um in DA ein neues Unternehmen aufzubauen. Ab 1922 wurden in der Feldbergstraße – von Austro-Daimler bis Stoewer – Karosserieaufbauten für die verschiedensten Autohersteller angefertigt. Die „Ersten Darmstädter Karosseriewerke – Georg Autenrieth“ gehörte vor dem Krieg mit über 400 Mitarbeitern zu den größten Betrieben dieser Art in Deutschland. Viele Arbeiten wurden bei Automobil-Schönheitskonkurrenzen mit Preisen prämiert. Großen Bekanntheitsgrad errang das Unternehmen durch die Karosseriefertigung für die in Ober-Ramstadt ansässigen Autohersteller „Falcon Werke AG“, „Röhr Auto AG“ und „Neue Röhr Werke AG“. Mitte der 1930er Jahre ergab sich eine enge Zusammenarbeit mit BMW, welche Autenrieth auch nach dem Krieg weiter pflegte. Klassiker wie der BMW 327 wurden oft in DA mit Karosserien versehen.

Während des Krieges wurden Teile der Fabrikation in die Illigsche Papierfabrik (Illig) bei Nieder-Ramstadt verlegt. Dort fertigte man unter anderem auch Blechteile für Flugzeugrümpfe. Georg Autenrieth verstarb am 17.06.1950. Die Firmenleitung hatten nun seine Töchter Gertrud Friebis und Helene Trüby, während sich Schwiegersohn Franz Trüby um den technischen Bereich und die Neuentwicklungen von Karosserieentwürfen kümmerte. In den 1950er Jahren entstanden auf dem Chassis des BMW 501 und 502 Coupés und Cabriolets, die sich durch ihre elegante Linienführung auszeichneten. Unter Franz Trübys Einfluss wurden manche in ihrer Form so verändert, dass noch nicht einmal die obligatorische BMW-Niere erhalten blieb. Umbauten des Opel Olympia Rekord und Rekord PII behielten hingegen ihre Karosserieform. Dem Trend der Zeit entsprechend, verpasste man diesen Wagen auffällige Heckflossen. Die selbst tragende Karosserie erlaubte nur noch leichtere Eingriffe in die Struktur. Eine Cabriolet-Limousine auf Basis des Opel Rekord A wurde zu einer der letzten Arbeiten der Firma Autenrieth, ehe sie 1964 für immer ihre Tore schloss.

Lit.: Zaiss, Henning: Autenrieth - Erste Darmstädte Karosseriewerke, Darmstadt 1991; Schollenberger, Werner: Röhr – Ein Kapitel deutscher Automobilgeschichte, Darmstadt 1996; Ders.: Fast vergessen – Autos aus Südhessen. In: Hupe – das regionale Automagazin, Darmstadt Juli 2011, S. 16f.; Ders.: Röhr – Die Sicherheit selbst, August Horch Museum, Zwickau 2012.