Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Anschütz, Richard

Chemiker
* 10.03.1852 Darmstadt
† 08.01.1937 Darmstadt
Nach der Reifeprüfung am Darmstädter Ludwig-Georgs-Gymnasium studierte Richard Anschütz ab 1870 zuerst am Polytechnikum DA (TU Darmstadt) Ingenieurwissenschaften, um sich dann in Heidelberg, später in Tübingen dem Studium der Naturwissenschaften zuzuwenden. In Heidelberg hörte er u. a. die Chemiker Robert Wilhelm Bunsen und Hermann Kopp sowie den Physiker Gustav Robert Kirchhoff, in Tübingen befasste sich Anschütz vor allem mit organischer Chemie und schloss sein Studium bei Rudolf Fittig ab. Im Frühjahr 1875 kam er als Vorlesungsassistent zu dem ebenfalls aus DA stammenden August Kekulé nach Bonn, wo er dann fünf Jahrzehnte wirken sollte. 1878 habilitierte er sich, 1884 erhielt er den Professorentitel, und ab 1896 vertrat er den schwer erkrankten Kekulé. Nach dessen Tod wurde Anschütz schließlich 1898 zum Nachfolger berufen und bekleidete das Amt des Direktors des Chemischen Instituts bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1922. Während seiner Lehrtätigkeit veröffentlichte Anschütz eine Fülle von Forschungen, die viele grundlegende Probleme der organischen Chemie behandelten. Er galt als einer der hervorragendsten Chemiker seiner Zeit. Sein Name lebte in der Wissenschaft vor allem durch das von ihm erfundene „Chloroform Anschütz“ für die Narkose, aber auch durch eine Reihe von ihm entwickelter Laboratoriumsgeräte (Anschütz-Kolben, Anschütz-Thermometer, Anschütz-Aufsätze) fort. Nach seiner Emeritierung verfasste er noch eine zweibändige Biografie Kekulés, ein Standardwerk der Geschichte seiner Wissenschaft. Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen wurden Anschütz zeitlebens zuteil, so erhielt er u. a. den Roten Adlerorden und den Geheimratstitel, die Universität Bonn wählte ihn zum Rektor, ernannte ihn zum Dr. jur. und die TH Darmstadt verlieh ihm die Würde eines Dr.-Ing. ehrenhalber. Seinen Lebensabend verbrachte er ab 1925 in seiner Heimatstadt.

Lit.: Meerwein, Hans: Richard Anschütz zum Gedächtnis. In: Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft, Jg. 74/1941, Heft 3, S. 28-74.