Stadtlexikon Darmstadt

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Heiner

Die Herkunft des Begriffs – heute als Inbegriff des „echten Darmstädters“, der noch unverfälschten Darmstädter Dialekt sprechen kann, gerne verwendet – war lange Zeit umstritten und konnte nie wirklich geklärt werden. Frühere Erklärungen, der Name „Heiner“ sei von einem – nicht existierenden – Ort „Heinheim“ abgeleitet, oder er sei auf den in der Darmstädter Altstadt besonders häufigen Vornamen „Heinrich“ zurückzuführen – was ebenfalls nicht stimmt, denn „Louis“ oder „Schorsch“ waren ebenso häufig – entbehren ebenso jeder Grundlage wie die seit einigen Jahren behauptete Herleitung von einem Chemiefabrikanten namens Carl Heiner, der seine Arbeitskräfte aus den Tagelöhnern der Altstadt rekrutiert habe. In diesen Herleitungen ist der Name „Heiner“ positiv besetzt oder zumindest als neutrale Bezeichnung gebraucht. Die Forschungen Rudolf Beckers belegen jedoch, dass „Heiner“ ursprünglich die übel beleumundeten Bewohner der Altstadt waren, die man am Rande der Kriminalität ansiedelte, mit denen der „anständige“, außerhalb der Altstadt lebende Darmstädter nichts zu tun haben wollte.

Der Name hat seinen Ursprung vermutlich im frühneuhochdeutschen Wort „Heune“, das in unseren Wörtern „Hüne“ und „Hunne“ weiterlebt. „Heune“ bedeutete „ungeschlachter, grober Kerl“, der ebenso ungeschlacht, d. h. in derber Mundart spricht. Die Verbindung zum Heiner wird deutlich, wenn man berücksichtigt, dass „Heiner“ früher und noch heute in der Darmstädter Mundart „Heuna“ ausgesprochen wird. Die Darmstädter „Heuner“ waren also grobe Kerle aus der Altstadt, die sich in ebenso grober Mundart ausdrückten und um die man besser einen großen Bogen machte. Bisher nicht geklärt ist, auf welche Weise sich diese Negativzeichnung gegen Ende des 19. Jahrhunderts ins Positive gewendet hat. Vielleicht haben Mundartstücke wie Niebergalls „Datterich“ und „Toller Hund“, die den Heiner und seinen Dialekt gewissermaßen hoffähig machten, dazu beigetragen.

Lit.: Becker, Rudolf: Der Darmstädter Heiner. Bisher unbekannte Quellen und eine neue Theorie über den Ursprung dieser Benennung. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, NF 59, 2001, S. 335-348.