Stadtlexikon Darmstadt

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Kaup, Johann Jakob
Stadtarchiv Darmstadt

Zoologe, Paläontologe
* 20.04.1803 Darmstadt
† 04.07.1873 Darmstadt
Sohn des Leutnants Heinrich Friedrich von Kaup aus Ortenberg und der Darmstädterin Elisabeth Dorothea Göbel. Da der Vater die Familie verließ, sorgten die Mutter und ein Vormund für die Erziehung des Knaben. Er besuchte das Pädagog, von dem er nach der Sekunda als 16-Jähriger abging. Nach dem Tod der Mutter (1820) schlug sich der mittellose Kaup mit Gelegenheitsarbeiten durch, u. a. mit der Präparation von Vögeln. Nach zweisemestrigem Studium der Zoologie in Göttingen und Heidelberg (1822/23) begab sich Kaup im Herbst 1823 nach Leiden, wo er unter dem Direktor des Rijks-Museums van Natuurlijke Historie, Coenraad Temminck, für zwei Jahre angestellt war. Zurück in DA, arbeitete er in den nächsten Jahren wissenschaftlich als Privatgelehrter. 1828 wurde Kaup seinem alten Förderer Georg Balthasar Bekker und dem Naturalienkabinett des Großherzogs als Gehilfe zugeteilt. Obwohl schon 1831 von der Universität Gießen zum Dr. phil. promoviert, wurde er erst 1837 zum Inspektor und schließlich 1840 zum „wirklichen Inspektor“ ernannt. 1858 verlieh ihm Großherzog Ludwig III. den Titel eines Professors. Kaups Bedeutung erklärt sich aus seiner umfassenden Bildung in der organismischen Naturgeschichte, v. a. in Zoologie und Paläontologie, wovon mehr als 150 Publikationen auf beiden Gebieten – darunter umfangreiche und bedeutende Werke der Systematik – zeugen. Seine internationalen Kontakte mit den führenden Naturforschern der Zeit vertiefte er auf zahlreichen und teilweise mehrmonatigen Auslandsreisen (Leyden, London, Montpellier, Paris, Winterthur, Irland, Schweden), die er auch dazu nutzte, die Darmstädter Sammlungen durch Tausch und Ankauf zu mehren und auf ein internationales Niveau zu heben. Ins wissenschaftliche Abseits geriet Kaup, als er in einer Zeit, in der Charles Darwins Ideen von der Entstehung der Arten schon diskutiert wurden, auf einer zoologischen Systematik („Quinäres System“) beharrte, die er als Anhänger von Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775-1854) und Lorenz Oken (1779-1851) aus der romantischen Naturphilosophie abgeleitet hatte. Kaup starb nach kurzer Krankheit und wurde auf dem Alten Friedhof in DA beigesetzt; er hinterließ seine
Frau Elise, geborene Hauser, die er 1834 geehelicht hatte, vier Töchter und einen Sohn. In DA wurde 1873 die Kaupstraße im Martinsviertel nach ihm benannt.

Lit.: Hefele, Georg: Der Zoologe und Palaeontologe J.J. Kaup (1803-1873). Sein Leben in und für Darmstadt, Darmstadt 1959; Heldmann, Georg: Johann Jakob Kaup. Leben und Wirken des ersten Inspektors am Naturalien-Cabinet des Großherzoglichen Museums, 1803-1873, Darmstadt 1955; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 102-105.