Stadtlexikon Darmstadt

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Abendgymnasium
Innenhof Martin-Buber-Straße 1960, ab 1980 Sitz des Abendgymnasiums, Foto: Peter Hartmann, Stadtarchiv Darmstadt

Nachdem die Volkshochschule DA seit März 1955 Abendkurse zur Erlangung des Abiturs für Berufstätige durchgeführt hatte, gründete sich im Oktober 1957 der Verein Abendgymnasium e. V. Zweck des Vereins, dem neben dem Magistrat u. a. die Industrie- und Handelskammer und die Firma Merck angehörten, war „... der Betrieb eines der staatlichen Schulaufsicht unterstehenden Abendgymnasiums als Ersatzschule zur Erlangung der staatlich anerkannten Reifeprüfung für Berufstätige“. Das damit neu gegründete Darmstädter Abendgymnasium löste die bisher von der Volkshochschule angebotenen Abiturkurse ab. Diese Kurse waren eingerichtet worden, um Berufstätigen, deren Bildungsgang durch Kriegsfolgen, Vertreibung und wirtschaftliche Not unterbrochen worden war, die Möglichkeit einer Qualifikation für ein berufliches Weiterkommen zu ermöglichen. 1958 legte der erste Schülerjahrgang am Abendgymnasium DA die Abiturprüfung ab mit dem Ziel, ein Studium aufzunehmen. Sein Entstehen und sein Wachsen verdankt das Abendgymnasium maßgeblich Oberstudiendirektor Wilhelm Haas, der zunächst die Volkshochschulkurse einrichtete, dann die Gründung des Vereins Abendgymnasium vorantrieb und auf dessen Initiative hin 1964 der Ring der Abendgymnasien der Bundesrepublik entstand.

Zunächst als nicht immer gern gesehener Gast in verschiedenen Darmstädter Schulen, hat das Abendgymnasium heute sein Gebäude in der Martin-Buber-Straße. Als es 1995 sein 40-jähriges Bestehen feierte, konnte es bereits auf mehr als 3.000 Absolventen zurückblicken. Motivation und auch das Profil der Schülerinnen und Schüler haben sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelt. Nicht mehr für alle Abiturienten heißt das Ziel Hochschulstudium. Viele nutzen das Abitur vielmehr als Erweiterung ihres geistigen Horizonts und zur Verbesserung ihrer Allgemeinbildung. Zahlreiche Ausländer und Aussiedler besuchen die Deutschkurse des Abendgymnasiums und legen anschließend das deutsche Abitur ab, weil die Prüfungen ihres Heimatlands nicht anerkannt werden. Seit 2003 wird am Abendgymnasium eine Kinderbetreuung angeboten, die es auch Müttern und Vätern ermöglicht, einen Schulabschluss nachzuholen.