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Ständiger Rat zur Pflege der Kunst in Hessen
Urkunde für Ehrenmitglieder des Ständigen Rats, entworfen von dem Offenbacher Schriftkünstler Rudolf Koch, 1919, Stadtarchiv Darmstadt

Privatrechtlich niedergelassenes Gremium (e. V.), das von 1918 bis 1932 das Darmstädter Ausstellungswesen leitete. Initiator der seit Januar 1918 bestehenden Körperschaft war der Darmstädter Kunst- und Ausstellungsdezernent und spätere OB Rudolf Mueller. Unter seinem Vorsitz versammelte das Gremium zunächst die kunstpolitischen Entscheidungsträger der städtischen, staatlichen und großherzoglichen Verwaltung, nach 1921 kooptierte man ferner Museumsdirektoren und Leiter hessischen Kunstschulen. Zweck des Vereins war die Ablösung der seitherigen, nur bedarfsweise eingesetzten Ausstellungsausschüsse durch eine permanente Einrichtung sowie die Umstrukturierung der bis dahin rein staatlichen oder städtischen Kunstförderung in einen zusammengeschlossenen halböffentlichen Sektor, der sich auch aus privaten Zuwendungen finanzierte. In Anbetracht der vom Ersten Weltkrieg ausgelösten Wirtschaftskrise erwies sich letzteres Ziel allerdings als illusionär und dem Ständiger Rat zur Pflege der Kunst in Hessen standen für seine Wirksamkeit allein die öffentlichen Kunstetats zur Verfügung. Nur im ersten Jahr seiner Tätigkeit konnte der Ständiger Rat hessische Kriegsgewinnler für die Anlage eines Kunstfonds bewegen, aus dem man auf den Ausstellungen von 1918 und 1919 die ersten Ankäufe für eine so genannte „Moderne Galerie“ tätigte. Bei der inhaltlichen Ausgestaltung der Kunstausstellungen auf der Mathildenhöhe arbeitete der Ständiger Rat stets eng mit bildenden Künstlern zusammen. Eine anfängliche Konzentration auf Vertreter der Landeshauptstadt wurde 1921 abgelöst von einer größeren Arbeitsgemeinschaft mit weiteren Künstlergruppen aus Mainz, Worms, Offenbach und Gießen. Diese Arbeitsgemeinschaft funktionierte auch im Sinne eines „Kunstparlaments“, dem aktuelle Fragen hessischer Kunstpolitik zur Beratung und Begutachtung vorgelegt wurden. Hervorgerufen durch die akute Finanzkrise zu Beginn der 1930er Jahre, im Zuge derer sowohl der Staat als auch die Stadt DA ihre jeweiligen Kunstetats rigoros zusammenstrichen, zog sich der Ständiger Rat mit Beginn des Jahrs 1931 aus dem Kunstausstellungswesen zurück und überließ die Initiative auf diesem Feld den in DA ansässigen Künstlergruppen und -verbänden. Die örtlichen Kulturverbände der Nationalsozialisten schoben den bereits funktionslosen Ständigen Rat zur Pflege der Kunst in Hessen 1933 vollends beiseite. Seine offizielle Auflösung erfolgte jedoch erst 1937. Der Maler Adolf Beyer, der sich während der 1920er Jahre als einer der rührigsten Kritiker des Ständigen Rats aus dem rechten politischen Spektrum hervorgetan hatte, vereinigte 1937 im Auftrag der Stadt DA dessen Moderne Galerie mit der Kunstsammlung der Freien Vereinigung Darmstädter Künstler zur so genannten Städtischen Kunstsammlung. Die von Beyer damals als „entartet“ ausgesonderten Gemälde expressionistischer Künstler in der „Modernen Galerie (u. a. Kirchner, Caspar und Babberger) sind seitdem verschollen.

Lit.: Knieß, Friedrich Wilhelm: Kommunale Kunstpolitik in Deutschland vom Ausgang des Ersten Weltkrieges bis zum Ende der Weimarer Republik. Darmstadt als Beispiel. Phil. Diss., Marburg/Lahn 1983.