Stadtlexikon Darmstadt

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Ohly, Albrecht
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Rechtsanwalt, OB
* 27.12.1829 Buchenau
† 20.12.1891 Darmstadt
In Gießen besuchte Albrecht Ohly das Gymnasium und studierte Rechtswissenschaften. Anschließend an seine Referendarzeit in DA war er hier 1862 Advokat am Hofgericht der Provinz Starkenburg und baute sich eine eigene Anwaltspraxis auf. 1870 wurde Ohly Direktor der Darmstädter Volksbank. Politisch vertrat Ohly, der ein begabter Redner war, nationalliberale Ideen und setzte sich für ein demokratisches Deutsches Reich unter preußischer Führung ein. 1871 wurde Ohly Mitglied der Darmstädter Gemeindevertretung, die ihn am 19.10.1874 mit 18 zu 17 Stimmen gemäß der neuen Städteordnung zum ersten hauptamtlichen Bürgermeister wählte. 1879 wurde Ohly von Großherzog Ludwig IV. zum ersten hauptamtlichen OB ernannt. Seine erste Amtshandlung als Stadtoberhaupt war die Einführung der Öffentlichkeit der Stadtverordnetensitzungen. Mit nüchternem Pragmatismus, der sich auf das Mögliche und Erreichbare konzentrierte, brachte Ohly mit seinen Maßnahmen DA auf den Weg zur Großstadt und baute die kommunale Infrastruktur aus.

Ohlys Amtszeit war geprägt durch den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland nach 1871, von dem auch die Kommunen profitierten. Wichtigste Erfolge waren die Errichtung des ersten Darmstädter Wasserwerks, der Anschluss aller Häuser an die städtische Wasserversorgung, die Einführung der Kanalisation (Kläranlagen) und die Anlage von Bürgersteigen. 1885 erhielt die Stadt eine öffentliche Fernsprechanlage und der Bahnhof elektrisches Licht. 1886 war Ohlys Popularität so gewachsen, dass er einstimmig wiedergewählt wurde. In diesem Jahr fuhr die erste Dampfstraßenbahn (Straßenbahn) zwischen Griesheim und DA. 1888 wurde Bessungen eingemeindet und das erste Elektrizitätswerk errichtet (Stromversorgung). Ohly sorgte für die Reorganisation des Polizeiwesens (Polizei), den Bau fünf neuer Schulhäuser (Schulwesen), eines Pfandhauses und mehrerer Sparkassengebäude (Sparkasse DA). Ein besonderes soziales Anliegen war ihm die Einrichtung einer Anstalt für „verwahrloste“ Kinder, die seit 1895 seinen Namen trug, das Ohlystift. Ohly widersetzte sich auch der wegen Rückgang der Studentenzahlen geplanten Abschaffung der TH Darmstadt und bewegte den Landtag zur Weitergenehmigung der Mittel. Die Stadt bezuschusste die Einrichtung eines Lehrstuhls für Elektrotechnik, des ersten in Deutschland, und berief Erasmus Kittler als Professor.

Ohly, der gerne wanderte, war Mitbegründer des Odenwaldklubs, der ihm an mehreren Orten ein Denkmal setzte, so 1895 unter der Linde in Neunkirchen. 1901 wurde der Ohlyturm auf dem Felsberg eingeweiht. Seit 1893 erinnert die Ohly-Eiche nördlich des Heuwegs zwischen Backofenschneise und Schnampelweg an den beliebten OB, der schon im Alter von 62 Jahren starb. 1894 wurde ihm auf seinem Grab auf dem Alten Friedhof in DA ein Denkmal errichtet, 1901 in Bessungen die Ohlystraße nach ihm benannt.

Lit.: Esselborn, Karl: Albrecht Ohly (1829-1891) / Oberbürgermeister. In: Ders.: Hessische Lebensläufe. Darmstadt 1979, S. 315-321 [Erstveröffentlichung 1921]; Rack, Klaus-Dieter/Vielsmeier, Bernd (Hrsg.): Hessische Abgeordnete 1820-1933. Biografische Nachweise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820-1918 und den Landtag des Volksstaats Hessen 1919-1933. Darmstadt 2008, S. 683; Darmstädter Ehrengräber, Darmstadt 2016 (Darmstädter Schriften 105), S. 167-169.