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Kolping/Kolpingsfamilie

Die nach der Gründergestalt Adolph Kolping (1813-1865) benannten Vereine sind als Antwort der kath. Kirche auf die „soziale Frage“ des 19. Jahrhunderts entstanden. Als „Gesellenvereine“, deren erster 1846 in Elberfeld entstand, nahmen sie sich besonders der wandernden Handwerksgesellen an. Der Darmstädter Gesellenverein wurde 1857 gegründet; zu seiner finanziellen Unterstützung trug ab 1863 ein so genannter Gesellenschutzverein bei. Der Gesellenverein hatte in DA verschiedene Standorte; u. a. das 1887 erworbene Gesellenhaus mit Zimmer für vor Ort arbeitende oder durchreisende Kolpingsöhne in der Friedrichstraße 30. 1925 kaufte der Verein das Hotel Köhler in der Rheinstraße 48, das aber wegen finanzieller Schwierigkeiten 1932 zwangsversteigert werden musste. In der Zeit der NS-Herrschaft wurde der Gesellenverein durch die Aufnahme von „Altmitgliedern“ zur Kolpingsfamilie erweitert. Auch wenn der Verband nicht verboten wurde, so brachten Behinderungen seine Arbeit zum Erliegen. Im Mai 1947 kam es zur Wiederbegründung. Die schon vor dem Krieg einsetzende Änderung der Mitgliederstruktur führte dazu, dass der Verein in der Betreuung von Gesellen nicht mehr seine Hauptaufgabe sah, sondern sich allgemeinen und sozial-politischen Fragen zuwandte und dass neben geselligen und religiösen Veranstaltungen v. a. Bildungsangebote traten. Die Veranstaltungen fanden seit Mitte der 1960er Jahre entweder im Jugendhaus St. Ludwig oder im Kath. Bildungszentrum statt. Im Jahr 2007 feierte der Verein sein 150-jähriges Bestehen mit einem von Kardinal Karl Lehmann in St. Ludwig gefeierten Gottesdienst und einem Festvortrag des früheren Bundesministers Heiner Geißler. Der Ortsverein DA-Zentral ist Ende 2015 aufgelöst worden. In Arheilgen, in dem es seit 1951 einen weiteren Ortsverein gibt, erinnert seit 1970 der Kolpingweg an den Gründer der Gesellenvereine.

Lit.: Kolpingsfamilie Darmstadt-Zentral (Hrsg.): 125 Jahre Kolpingsfamilie Darmstadt-Zentral 1857-1982, o. O. 1982.