Stadtlexikon Darmstadt

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Kolemin, Alexandrine von

(geb. Gräfin von Hutten-Czapska)
Großherzogsfrau auf Widerruf
* 03.11.1854 Warschau
† 08.05.1941 Vevey/Schweiz
Die hübsche polnische Komtess hatte den wohlklingenden Namen erst als Sechsjährige bekommen, als sich Adam Czapski mit dem preußischen Grafentitel den respektablen Namen Hutten zulegte. Mit der verwitweten Mutter auf Reisen, heiratete Alexandrine in Stockholm den russischen Legationssekretär Kolemin. Über Bern und Weimar kam das junge Paar 1881 nach DA, wo Alexandrine verblieb, als der zeitweilige Geschäftsträger zwei Jahre später nach Karlsruhe versetzt wurde. Mit der am 30.04.1884 gefeierten Hochzeit der ältesten Tochter Großherzog Ludwigs IV. mit ihrem Onkel Ludwig Battenberg erlebte DA ein europäisches Familienfest. Doch als am nächsten Morgen bekannt wurde, dass der als Standesbeamter fungierende Staatsminister den seit gut fünf Jahren verwitweten Brautvater noch spätabends mit seiner inzwischen geschiedenen Freundin Kolemine getraut hatte, kam es zum Eklat. Kaiserin Augusta reiste empört ab, und Ex-Schwiegermutter Queen Victoria schickte Sohn Bertie von Wales und Kronprinz Fritz von Preußen zum nichts Böses ahnenden Schwager Louis, um ihm klar zu machen, dass man die Dame bis zur Annullierung der Mesalliance außer Landes schicken müsse, er selbst am besten zum Abkühlen mit nach England komme, was denn auch geschah. Alexandrine wurde Gräfin von Romrod und erhielt eine geziemende Abfindung. Doch da sie die im Juli in DA ausgesprochene Scheidung durch Revision vors Leipziger Reichsgericht brachte, erfuhr alle Welt davon. Anny Wothe verfasste eine gefühlvolle Schmonzette über „Frau von Kolemine“; der „Schalk“ in Berlin brachte eine Satire über den „Sommernachtstraum“ der „Gräfin Nimrod“, und Eingeweihte erkannten die Story auch im französisch verfremdeten Roman „Le Roi de Thessalie“. Erst kurz vor Alexandrines Tod in der Schweiz schrieb der ebenfalls exilierte Mainzer Schriftsteller und Filmregisseur Ludwig Berger sein Dialektlustspiel „Moral in Dunnerstedt“, das als „Das kleinere Übel“ 1995 bei der Hessischen Spielgemeinschaft eine späte Darmstädter Erstaufführung erlebte.

Lit.: Holzhauer, Heinz: Ludwig und Alexandrine. Eine privatfürstenrechtliche Ehescheidung vor dem Reichsgericht. In: Heinz Holzhauer u.a.: Beiträge zur Rechtsgeschichte, Berlin 2000, S. 161-181.