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Freie Literarisch-Künstlerische Gesellschaft

Gegründet wurde die Freie Literarisch-Künstlerische Gesellschaft um 1900 von dem Literaturhistoriker an der TH Darmstadt Otto Harnack. Während des Ersten Weltkriegs war Hofrat Otto Stockhausen Vorsitzender, der die Schriftsteller Kasimir Edschmid und Wilhelm Michel sowie den Bildhauer Well Habicht und den Darmstädter Rechtsanwalt und Theaterkritiker Ernst Emil Hoffmann in den Vorstand holte. Anfang der 1920er Jahre übernahm Hoffmann den Vorsitz. Mangels Satzung begriff sich der Vorstand als Freundeskreis, welcher „der Kunst und Wissenschaft diente“, wobei „ausschließlich die künstlerische und geistige Qualität maßgebend“ war (E. E. Hoffmann). Das Programm bestand aus acht bis zehn Abenden mit Lesungen von Dichtern oder Vorträgen von Wissenschaftlern im Winterhalbjahr und zwei „Vorstandssitzungen“. Bis etwa 1920 wurde der Mathildenhöhsaal benutzt, dann der Frühstückssaal des Hotels Traube, später die Freimaurer-Loge in der Sandstraße (Moller-Haus). Nach der Machtergreifung 1933 und dem Verbot der Freimaurer fanden die Abende in der Tanzschule Bäulke, die das Logengebäude übernommen hatte, statt. Nach Lesung oder Vortrag traf man sich im engeren Kreis mit geladenen Gästen im Haus des Vorsitzenden Hoffmann, Hügelstraße 45. „Als 1933 alles vom Staat organisiert wurde, strichen wir sofort aus unserem Namen das Wort ‚freie‘ und bewahrten uns hierdurch unsere Freiheit“ (Hoffmann). Etwa 1937 musste sich der Kreis jedoch eine Satzung geben. Im Vorstand saßen Hoffmann als Vorsitzender, Well Habicht als Schriftführer und Wilhelm Michel als Beirat. 125 bis 150 „Abonnenten“ aus dem Bildungsbürgertum DAs bildeten die Mitglieder. Gäste waren Persönlichkeiten wie Albert Schweitzer, Hans Carossa, Manfred Hausmann oder Hermann Hesse. In einer Lesung traten Elisabeth Langgässer, Fritz Usinger und Paul Appel erstmals vor die Öffentlichkeit. In der Brandnacht 1944 wurde das Wohnhaus Hoffmanns mit allen Unterlagen der Gesellschaft zerstört. Im Februar 1956 kam es unter Mitwirkung von Hoffmann zur Gründung einer neuen „Freien Literarischen Gesellschaft“, deren Zweck die Veranstaltung von Lesungen zeitgenössischer Autoren sein sollte, die jedoch keinen langfristigen Bestand hatte.