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Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF
Hauptgebäude Fraunhofer LBF, Foto: Ursula Raapke, Fraunhofer LBF

Ein kleiner Kreis von weit blickenden Wissenschaftlern und Ingenieuren entwickelte 1938 neuartige Versuchs- und Berechnungsmethoden, um die Belastungen von Konstruktionen während des Betriebs zu messen und deren Auswirkung auf die Lebensdauer zu bewerten. Dies war die Geburtsstunde der Betriebsfestigkeit und zugleich des heutigen Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit (LBF), das seit 1950 in DA ansässig ist. Unter Betriebsfestigkeit versteht man die Fähigkeit einer Konstruktion oder eines Bauteils, während des Betriebs zufallsartig auftretende zyklische, quasistatische und schlagartige Belastungen über einen definierten Einsatzzeitraum zu ertragen. Die Betriebsfestigkeit ermöglichte erste zuverlässige und „leichte“ Hochleistungsprodukte. Sie war von Anfang an auch mit der Philosophie des Leichtbaus verbunden. Die vielfach Bahn brechenden Arbeiten des Instituts, vor allem für den Fahrzeug- und Maschinenbau, wurden nicht nur in der Industrie und in Wissenschaftskreisen bekannt, sie finden auch Anwendung im Alltag.

Auf dem Ganzfahrzeugprüfstand des Fraunhofer LBF in Darmstadt-Kranichstein können Pkw und Kleintransporter auf Herz und Nieren getestet werden, Foto: Ursula Raapke, Fraunhofer LBF

Zum Nutzen von Kunden und Partnern bringen mehr als 500 Naturwissenschaftler, Ingenieure, Techniker und Sachbearbeiter, Experten unterschiedlicher Fachrichtungen am Fraunhofer LBF und an den assoziierten Fachgebieten der TU Darmstadt über die Bereichsgrenzen hinweg ihr Know-how in interdisziplinäre Projektarbeit ein. Auf über 11.000 qm Versuchs- und Laborfläche entstehen ganzheitliche, material- und energieeffiziente Lösungen auf den Gebieten Schwingungstechnik, Leichtbau, Zuverlässigkeit und Polymertechnik. Über sein charakteristisches, weit gespanntes Kompetenz- und Leistungsportfolio erreicht das Fraunhofer LBF eine Vielzahl unterschiedlicher Märkte, vor allem den Automobil- und Nutzfahrzeugbau, die Schienenverkehrstechnik, den Schiffbau, die Luftfahrt, den Maschinen- und Anlagenbau, die Energietechnik, das Bauwesen, die Medizintechnik sowie die Chemische Industrie. Dabei stützt sich das Fraunhofer LBF heute neben der Betriebsfestigkeit auf drei weitere Kernkompetenzen: Systemzuverlässigkeit, Adaptronik und Kunststoffe.

Lit.: Wissenschaftsstadt Darmstadt. Wissenschaft in Darmstadt, hrsg. von der TU Darmstadt, 4. Aufl., Darmstadt 2007, S. 128f.