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Eigenbrodt, Reinhard
Stadtarchiv Darmstadt

Jurist, Verwaltungsreformer
* 20.03.1799 Gesmold
† 07.07.1866 Darmstadt
Als der Vater Karl Christian Eigenbrodt 1809 aus dem westfälischen Arnsberg nach DA berufen wurde, war die Mutter bereits ein Jahr tot, der Sohn gerade zehn Jahre alt.
Reinhard Eigenbrodt besuchte das Darmstädter Gymnasium und ging schon im Herbst 1815 als Jura-Student nach Gießen. Hier fand er rasch Anschluss an die neu begründete „Germania“, den Kern der national-deutschen Burschenschaftsbewegung der so genannten „Schwarzen“. Auch als er 1818 nach Heidelberg, dann nach Jena wechselte, blieb er in der Burschenschaft aktiv, was ihn belastete, als er sich nach dem Examen um den „Akzess“, die Aufnahme in den hessischen Justizdienst bewarb. Anfang 1822 war er gleichwohl zugelassener Advokat in DA, im Sommer 1824 stellvertretender Kammeranwalt für Starkenburg. Mit Beginn des Bahnbaus 1843 wurde er juristisches Mitglied der Eisenbahn-Baudirektion (Eisenbahn). Politisch engagierte er sich Anfang der 1830er Jahre in der Anwaltschaft, ließ sich aber erst 1847, als der befreundete Heinrich von Gagern auf die politische Bühne zurückkehrte, für den Odenwald-Bezirk Breuberg in den Landtag wählen. Im Zuge der März-Revolution 1848 holte ihn der zum Regierungschef bestellte Gagern als Ministerialrat ins Innenministerium, eine schwierige Aufgabe, da sich die liberale Regierung gegen die radikal-demokratische Bewegung in Rheinhessen, aber auch im Odenwald durchsetzen musste. Als Gagern zur Nationalversammlung nach Frankfurt/Main ging, übernahm Eigenbrodt für knapp zwei Monate die Leitung des Innenministeriums. Schon im Juli wurde er hessischer Bevollmächtigter bei der Bundeszentralgewalt in Frankfurt. In den ihm übertragenen Verhandlungen über den hessischen Beitritt zum preußischen Dreikönigsbündnis im Juni 1849 konnte er sich nicht durchsetzen. Er wurde noch einmal in den Landtag gewählt und war dann Vertreter des Großherzogtums im Staatenhaus des Erfurter Unions-Parlaments. Die Folgejahre als Referent im hessischen Staatsrat nutzte er zur Niederschrift seiner als Quelle wichtigen Erinnerungen an die Revolutionsjahre. Die Verleihung des Geheimrats-Titels kurz vor dem Tod war eine späte Anerkennung.

Lit.: Reinhard Carl Theodor Eigenbrodt. Meine Erinnerungen aus den Jahren 1848, 1849 und 1850. Mit biographischer Einleitung hrsg. von Ludwig Bergsträsser, Darmstadt 1914.