Stadtlexikon Darmstadt

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Autobahn / Reichsautobahn
Reichsautobahn, Ausfahrt Darmstadt, 1935, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Die rasche Zunahme des Kraftverkehrs nach dem Ersten Weltkrieg in Europa, stellte den Straßenbau vor die Aufgabe, sich den neuen Anforderungen anzupassen. In Italien wurde im September 1924 die erste Autobahn Europas eingeweiht, die Autostrada Milano-Laghi. 1925 lernte der Frankfurter Magistrats-Oberbaurat Hermann Uhlfelder, den Mailänder Bau.-Ing. Piero Puricelli kennen. Zusammen mit dem Generaldirektor der Deutschen Handelsgesellschaft Willy Hof und dem Mitbegründer der STUFA „Studiengesellschaft für den Automobilstraßenbau“ Robert Otzen fuhr Hermann Uhlfelder im September 1925 zu Puricelli nach Rom. Inspiriert von dieser Reise und den Erfahrungen die man durch den Bau der AVUS in Berlin gesammelt hatte, wählten Hermann Uhlfelder, Willy Hof und Robert Otzen die Trasse Hamburg-Frankfurt-Basel (daher HAFRABA) für ihr Projekt. Im November 1926 fand in Frankfurt die Gründungsversammlung der HAFRABA e. V. „Verein zur Förderung der Autostrasse Hansestädte-Frankfurt-Basel“ statt. Im April 1927 wurden die ersten Pläne für eine Autostraße vorgestellt. Ab 1928 konzentrierte sich die HAFRABA bei der Planung auf die Strecke Frankfurt-Heidelberg. Im August 1932 wurde die neue Kraftfahrstraße Bonn-Köln dem Verkehr übergeben. Diese 20 km waren die erste Autobahn in Deutschland und nur für den Kraftfahrzeugverkehr bestimmt. Kreuzungsfrei ermöglichte diese Straße Geschwindigkeiten von 100 bis 120 km/h.

Autobahn A 5, Abfahrt Darmstadt, 1956, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Am 30.01.1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler gewählt. Willy Hof besuchte Hitler im April 1933 und unterbreitete ihm die von der HAFRABA gemachten Planungen. Am 01.05.1933 verkündete Hitler offiziell den Bau eines Straßennetzes, das nur dem Automobilverkehr vorbehalten sein sollte. Am 27.06.1933 wurde das „Gesetz über die Errichtung eines Unternehmens Reichsautobahn“ verabschiedet, das mit dem Bau und Betrieb eines leistungsfähigen Netzes von Kraftfahrstraßen beauftragt wurde, die den Namen „Reichsautobahn“ tragen sollten. Am 30.06.1933 wurde Fritz Todt von Hitler zum „Generalinspektor für das deutsche Straßenwesen“ ernannt. Die Gründung der „Gesellschaft Reichsautobahn“, eine Tochter der Deutschen Reichsbahn, erfolgte dann am 25.08.1933. Am 23.09.1933 erfolgte am Mainufer bei Frankfurt/Main durch Hitler der erste Spatenstich für die Teilstrecke Frankfurt-DA. Bei Entwurf und Planung der Strecke griff man im Wesentlichen auf die von der HAFRABA ausgearbeiteten Pläne zurück. Am 19.05.1935 wurde in DA durch Hitler das erste Teilstück Frankfurt-DA mit einer Länge von 22 km dem Verkehr übergeben.

Lit.: Schütz, Erhard / Gruber, Eckhard: Mythos Reichsautobahn. Bau und Inszenierung der „Straße des Führers“ 1933-1941, Berlin 1996; Vahrenkamp, Richard: Autobahnbau in Hessen bis 1943, Darmstadt 2007 (Beiträge zur hessischen Wirtschaftsgeschichte Bd. 1); Ruppmann, Reiner: Schrittmacher des Autobahnzeitalters. Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet, Darmstadt 2011 (Schriften zur hessischen Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte 10).