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Papiertheatersammlung Walter Röhler

Der in DA am 19.07.1911 geborene Walter Röhler wollte eigentlich Theaterintendant werden, musste sich jedoch mit dem Beruf des Lehrers begnügen. Seine Leidenschaft für das Theater veranlasste ihn, eine Heimbühne zu bauen und selbst Stücke aufzuführen. Daneben begann er schon früh, eine Sammlung von Originalbögen für den Zusammenbau von Papiertheatern aufzubauen und auch fertig aufgebaute Bühnen zu sammeln. Das Bespielen von Papiertheatern mit bekannten Stücken im häuslichen Kreis war in der bürgerlichen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, auch in DA, weit verbreitet. Spezielle Verlage vertrieben Bögen zum maßstabgerechten Zusammenbau von Papiertheatern, die von namhaften Künstlern gestaltet waren. In DA entwarf u. a. Hoftheatermaler Carl Beyer Bühnendekorationen für das Papiertheater. Für die häusliche Aufführung wurden Texthefte mit der vereinfachten und gekürzten Wiedergabe klassischer Stücke herausgegeben. Walter Röhler sammelte nicht nur, er erforschte auch die Geschichte der Papiertheater, veröffentlichte Aufsätze und Rezensionen und korrespondierte mit Fachleuten und Sammlern in aller Welt. Nach seinem Tod (24.01.1974 in Mörstadt) erbte die Stadt DA die Papiertheatersammlung zusammen mit seinem schriftlichen Nachlass. Die Sammlung wurde zunächst im Museumsdepot auf der Mathildenhöhe untergebracht, später jahrelang ausgeliehen, weil sich die Stadt mit der Präsentation schwer tat. 1994 wurde die Sammlung dem Verein Nachbarschaftsheim Darmstadt e. V. übergeben und mit Hilfe eines befristet eingestellten Theaterwissenschaftlers und vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen geordnet und erschlossen. Der Verein verwaltet seither die Sammlung im Auftrag der Stadt Darmstadt. Seit September 1997 ist die Papiertheatersammlung im städtischen Gebäude Darmstraße 2 untergebracht und der Öffentlichkeit zugänglich. Sie umfasst 114 aufgebaute Papiertheater, 77 komplette Figuren- und Kulissensätze, über 9.000 Papiertheaterbogen sowie eine Fachbibliothek u.v.m. Der schriftliche Nachlass Walter Röhlers befindet sich im Stadtarchiv DA.