Stadtlexikon Darmstadt

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Luisencenter
Luisencenter 1988, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Die Schockwirkung, die ein 1968 auf Griesheimer Gemarkung projektiertes gigantisches Einkaufszentrum im Darmstädter Einzelhandel auslöste, ermöglichte es Karstadt, im Januar 1969 ohne Protest aus diesen Kreisen das Modell eines Kaufhauses auf dem ehemaligen Palaisgarten (Altes Palais) vorzustellen. Ein Jahr später präsentierte der Darmstädter Architekt Theo Seifert sein Rathausprojekt am Luisenplatz. Beide Gebäude sollte eine anspruchsvoll gestaltete Platzanlage miteinander verbinden (später der überbaute Durchgang von Schuchard- zu Adelungstraße). Die im Rathaus (Rathäuser) vorgesehenen Geschäftsflächen waren nach Stadtverordneten-Beschluss „auf das Dringlichste zu beschränken“; sie dehnten sich aber im weiteren Verlauf der Planungen unaufhaltsam aus. Im Februar 1972 schloss die Stadt mit dem Bauunternehmer Jakob Mengler Verträge zum Bau und Betrieb des Gebäudes. Ein Vierteljahr später stimmte der hessische Verkehrsminister der Tieferlegung der Wilhelminenstraße zu (der Tunnel sollte u. a. die zweigeschossige Tiefgarage des Komplexes erschließen). Dann geriet das furios gestartete Unternehmen im Zuge der Energiekrise von 1973/74 ins Stocken. Die Investitionszulage des Bundes zur Konjunkturbelebung hätte die Projekte „Multifunktionales Rathaus“ (55 Millionen DM Investitionssumme) und Karstadt (28 Millionen DM) mit 7,5 Prozent bezuschusst; sie lief Mitte 1975 aus. Um das Geld nicht verfallen zu lassen, stimmten die Stadtverordneten nach hitzigen Debatten im Januar 1975 dem Bau von Rathaus und Wilhelminentunnel (City-Ring) zu; im Oktober 1975 begannen die Bauarbeiten. Am 31.08.1977 wurde das Luisencenter feierlich eröffnet. Wie kein anderes Darmstädter Bauwerk war das Luisencenter in der Öffentlichkeit heftig umstritten. Presseartikel, Leserbriefe und fast alle Kommunalpolitiker hatten sich jahrelang vehement gegen das Projekt gewehrt. Letztlich haben es zwei Männer gegen alle Widerstände durchgesetzt: OB Heinz Winfried Sabais und Stadtbaurat Herbert Reißer. Die Bevölkerung hat es als Ort des Einkaufs und der Kommunikation seit seiner Eröffnung gut angenommen. Mag der kolossale Bau (22.000 qm Einzelhandels-, 2.000 qm städtisch genutzte Fläche) am Luisenplatz auch als architektonischer Fremdkörper empfunden werden, so haben doch zahlreiche Untersuchungen der 1970/80er Jahre nachgewiesen, dass das Luisencenter die Stellung DAs als Einzelhandelsstandort gestärkt hat. Die Baumaßnahmen, die zu seiner Modernisierung 2001/02 durchgeführt wurden, haben es optisch und funktionell aufgewertet.