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Internationales Musikinstitut Darmstadt (IMD)

Auf Initiative Wolfgang Steineckes wurde 1948 das „Internationale Musikinstitut Schloss Kranichstein“ mit dem Auftrag gegründet, die 1946 erstmals durchgeführten Internationalen Ferienkurse für Neue Musik planvoll weiterzuführen und die Verbindung des deutschen Musiklebens mit dem internationalen Musikleben zu fördern. Wichtigste Grundlage hierfür sollte eine umfassende Bibliothek werden, die eine möglichst vollständige Sammlung aller wichtigen Werke der zeitgenössischen Musik anstrebt, ergänzt durch ein Archiv von Tonträgern, Fachbüchern und -zeitschriften sowie anderer Dokumente gegenwärtigen Musiklebens. Bereits 1949 übernahm die nun in „Kranichsteiner Musikinstitut“ umbenannte Institution das Sekretariat der wieder gegründeten deutschen Sektion der „Internationalen Gesellschaft für Neue Musik“ (IGNM) und bereitete, nun in DA ansässig, die Gründung der Kranichsteiner Musikgesellschaft, der örtlichen Sektion der IGNM, im Januar 1950 vor. Zur Beteiligung an der internationalen Vernetzung der zeitgenössischen Musik zählten, neben den Aktivitäten in der IGNM, auch die Vertretung Deutschlands am Pariser „Centre de Documentation de Musique internationale“ ab 1953. Im Sommer 1958 veröffentlichte das Kranichsteiner Musikinstitut den Band „Darmstädter Beiträge zur Neuen Musik“. Herausgegeben von Wolfgang Steinecke, sollten in dieser Publikation die wichtigsten während der bisherigen Ferienkurse gehaltenen Seminare und Vorträge gesammelt und der Musikforschung zur Verfügung gestellt werden. Bis 1990 entwickelte sich eine Schriftenreihe mit insgesamt 19 Bänden.

Nach dem Tod Steineckes im Dezember 1961 übernahm Ernst Thomas 1962 die Leitung und baute das Institut 1963 mit dem Umzug in die Nieder-Ramstädter Straße (in Wiederanknüpfung an seine erste Benennung) zum „Internationalen Musikinstitut Darmstadt“ (IMD) aus. Vornehmlich die im Untertitel geführte Bezeichnung „Informationszentrum für zeitgenössische Musik“ sollte darauf hindeuten, dass neben den Gründungsaufgaben die Aufgaben eines internationalen Informationszentrums in stark vermehrtem Umfang (ab 1963 als Mitglied in der Internationalen Gesellschaft der Musikinformationszentren IAMIC) wahrgenommen werden sollten. 1981 wurde Friedrich Hommel zum Direktor ernannt. Mit der Gründung des von ihm vorgeschlagenen ersten „Internationalen Jazz Zentrums“ 1984 (einschließlich des „Joachim-Ernst-Behrendt-Archiv“ und der „Jazz-Bibliothek“) übernahm zunächst das IMD die Verwaltung, und 1985 das Sekretariat der „International Jazz Federation“. Die Gründung des Jazzinstituts DA 1990 (Jazz in DA) entlastete das IMD von seinen Aufgaben in diesem Bereich. 1985 erfolgte die Einrichtung des Zentralarchivs der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik (IGNM/ISCM) im IMD.

Zwischen 1995 und 2009 war Solf Schaefer Direktor des IMD. Neben der Weiterführung der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik hat das IMD hier seit seiner Gründung ein Spezialarchiv zur deutschen und internationalen zeitgenössischen Musik herausgebildet, das auf seinem Gebiet heute zu den vielseitigsten der Welt gehört und das den weltweiten Ruf des Instituts als Informationszentrum zur zeitgenössischen Musik maßgeblich prägt. Diese Präsenz des IMD im internationalen Musikleben begründet seinen Sitz im Beratungsausschuss für das Musikinformationszentrum des Deutschen Musikrats in Bonn. Das IMD ist Mitglied in allen wichtigen nationalen und internationalen Fachverbänden und Gesellschaften. Für seine Arbeit wurde das IMD im Jahr 2002 mit dem Hessischen Staatspreis für Kultur ausgezeichnet.
Seit 2009 ist der Musikwissenschaftler Thomas Schäfer Direktor des IMD.

Lit.: Stephan, Rudolf / Knessl, Lothar / Tomek, Otto / Trapp, Klaus / Fox, Christopher (Hrsg.): Von Kranichstein zur Gegenwart. 50 Jahre Darmstädter Ferienkurse. Stuttgart 1996; Borio, Gianmario und Danuser, Hermann (Hrsg.): Im Zenit der Moderne. Die Internationalen Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt 1946-1966. Geschichte und Dokumentation in vier Bänden, Freiburg 1997.