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Grube Prinz von Hessen

Die im Darmstädter Wald, nahe dem Restaurant Einsiedel gelegene Grube Prinz von Hessen, die an schönen Sommertagen regelmäßig Hunderte von Besuchern zum Baden einlädt, ist kein natürliches Gewässer. Sie ist vielmehr ein ehemaliger Braunkohletagebau. Auch hier fanden sich wie in der Grube Messel (Messel-Sammlung) versteinerte Pflanzen und Tiere. 1908 entdeckte die Gewerkschaft Messel, die in der Umgebung der Grube Messel nach Bodenschätzen suchte, im Darmstädter Stadtwald ein Braunkohlelager und erhielt die Schürferlaubnis. Im August 1909 wurde das Gebiet der Braunkohlefunde von der Großherzoglichen Oberen Bergbehörde unter dem Namen „Prinz von Hessen“ der Gewerkschaft Messel zum Braunkohleabbau verliehen. Der Tagebau begann jedoch erst in den letzten Jahren des Ersten Weltkriegs zu florieren. 1920 wurde die Grube Prinz von Hessen von der Stadt DA übernommen. Im Jahr 1921 arbeiteten dort 150 Mann, die täglich 150 Tonnen Brennmaterial fördern sollten. Diese Pläne zerschlugen sich, da sich die Brennstoffversorgung in Deutschland besserte; heizkräftigere Hausbrandstoffe verdrängten die Darmstädter Braunkohle, und das Bergwerk musste Ende 1924 schließen. Die Grube füllte sich mit Wasser und wurde seit 1948 als Wasserreservoir genutzt. Die Einfahrt der alten Kettenbahn wurde zugefüllt und dadurch das Seeufer begradigt. In den 1960er Jahren entwickelte sich die Grube Prinz von Hessen trotz Badeverbots zu einem beliebten Freibad. Die Stadt ließ das Gelände 1974 rekultivieren, die Ufer wurden abgeflacht und an einigen Stellen bepflanzt. 1976 wurde das Baden durch die Einrichtung einer DLRG-Station sicherer. Das Ufer teilt sich heute in einen Badestrand und einen Bereich für Angler. Nachteile des idyllisch gelegenen Badeplatzes sind die unzureichenden hygienischen Einrichtungen und die mit jedem Sommertag zunehmende Verunreinigung des Wassers, das in den 1970er Jahren als das gesündeste Badewasser DAs galt.