Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Ernst Ludwig Landgraf von Hessen-Darmstadt
Schlossmuseum Darmstadt

* 15.12.1667 Gotha
† 12.09.1739 Jagdschloss Jägersburg/Einhausen
Als Ernst Ludwig 1688, nach fast zehnjähriger Regentschaft der Mutter Elisabeth Dorothea, die Regierung übernahm, hatte sich das Land halbwegs von den Schäden des Dreißigjährigen Kriegs erholt. Der Franzosen-Einmarsch des Pfälzer Kriegs zwang jedoch noch im selben Jahr zur Verlegung des Hofs nach Oberhessen. Ernst Ludwig suchte sich mit dem Aufbau einer eigenen Streitmacht zu wehren und begann schon vom sicheren Gießen aus mit den Plänen zur Erneuerung der Hauptstadt, konnte aber erst 1698, nach dem Frieden von Rijswijk, endgültig nach DA zurückkehren.

Vom großzügigen Ausbau der Neuen Vorstadt im Westen (Mollerstadt), die nach dem erhaltenen „Hugenottenplan“ mit der schon 1688 anvisierten Ansiedlung französischer Glaubensflüchtlinge zum Handelszentrum mit Schifffahrtskanal zum Rhein werden sollte, wurden bis zur Bauunterbrechung durch den Spanischen Erbfolgekrieg nur wenige Straßenzüge realisiert. Die neue Baukonjunktur nach Kriegsende galt vorab der baulichen Repräsentation des Hofs. Der schon 1709 für den Umbau der bereits von der Mutter als Theater genutzten Reithalle zum Opernhaus nach DA geholte Architekt Louis Remy de la Fosse (Barocktheater) begann nach dem Schlossbrand von 1715 mit dem Großprojekt des barocken Schloss-Neubaus. Dieser blieb allerdings ebenso wie die gleichzeitig in Angriff genommene Orangerie in Bessungen unvollendet, als die Stände Mitte der 1720er Jahre den Geldhahn zudrehten.

Mit dem überregional attraktiven Theaterbetrieb musste auch die kostspielige und für das Land verderbliche Parforcejagd (Jagdgeschichte) eingestellt werden, für die Ernst Ludwig zunächst in Oberhessen, dann auch im Umland der Residenz eine ganze Serie neuer Jagdhäuser (Dianaburg, Griesheimer Haus) gebaut hatte. Trotz der hohen Verschuldung, deren Umfang man kaum überblickte, wurde das 50. Regierungsjubiläum des „Barock-Landgrafen“ noch einmal vom ganzen Land gefeiert, auch von der Judenschaft, die uns in der Dankschrift für die gewährte Toleranz das Bild des zunächst Entwicklungsruine gebliebenen Schlossbaus überliefert hat. In DA wurden der Ernst-Ludwigs-Platz (1860) und die Ernst-Ludwig-Straße (1863) nach ihm benannt. Seine Grabstätte befindet sich in der Stadtkirche.

Lit.: Neue Deutsche Biographie. Hrsg. von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Bd. 4, S. 612f.; Darmstadt in der Zeit des Barock und Rokoko. Katalog zur Ausstellung auf der Mathildenhöhe Darmstadt, Darmstadt 1980; Haus Hessen. Biografisches Lexikon, hrsg. von Eckhart G. Franz (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, NF 34), Darmstadt 2012, HD 29, S. 295f.