Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt

SCH

Schulwesen
Ballonplatz mit der 1823 errichteten alten Ballonschule (rechts), Aufnahme Juni 1887, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

1419 wurde in DA erstmals ein Schulmeister erwähnt, der Altarist des Altars der 10.000 Märtyrer in der Stadtkirche, der auch die Schule mit versehen sollte. Wie lange diese Schule bestand, ist nicht bekannt. Daneben existierte seit der Mitte des 15. Jahrhunderts auch eine städtische Schule. 1526 wurde dann aus aufgelösten Altareinkünften der Stadtkirche eine Darmstädter Schule neu begründet, die eine Pfarrschule war und nicht von der Stadt getragen wurde. Dort lernten die Kinder Psalmen, religiöse Lieder, Lesen und vielleicht Schreiben. Ab 1570 wurde der Unterricht erweitert, vor allem kam Latein hinzu. 1571 bezog die Schule ihr Schulhaus hinter der Stadtkirche. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wertete der Stadtrat sie zu einer höheren Schule auf und gab damit den Schülern die Möglichkeit, anschließend das Marburger Pädagog zu besuchen, das damals den alleinigen Zugang zur hessischen Landesuniversität in Marburg darstellte. 1629, mit der Gründung des Darmstädter Pädagogs, wurde dieses zur höheren Schule, die frühere Lateinschule, jetzt unter dem Namen „Stadtschule“, als „Deutsche Schule“ dem Pädagog vorgeschaltet, welche die Grundkenntnisse in Rechnen, Schreiben, Lesen u. a. vermittelte. Bereits 1635 wurde jedoch Latein wieder in den Lehrplan aufgenommen.

Der Bedarf nach einer Schule für die nicht zur gelehrten Ausbildung bestimmten Knaben war schon seit dem späten 16. Jahrhundert spürbar, mehrere Versuche einer deutschen Schulgründung jedoch vorher gescheitert. Deshalb hatten viele Darmstädter Eltern ihre Kinder auf private Neben- oder Winkelschulen geschickt, in denen sie von alt gedienten Soldaten, Kirchendienern, aber auch von Theologen in Rechnen, Schreiben und sonstigen Grundkenntnissen unterrichtet wurden. Um 1570 gab es bereits eine private, auch von Knaben besuchte Mädchenschule, die jedoch Mitte des 17. Jahrhunderts einging. Mindestens zwei weitere Nebenschulen existierten zu dieser Zeit noch. Obwohl die Neben- oder Winkelschulen der Obrigkeit ein Dorn im Auge waren, vor allem weil sie nicht zu kontrollieren und deshalb zeitweise auch mit Verboten belegt waren, wurden sie während des 17. und 18. Jahrhunderts meist geduldet, weil es bei den engen Kapazitäten der öffentlichen Schulen gar nicht möglich war, alle Kinder dort unterrichten zu lassen, und weil viele Eltern ihre Kinder lieber in die Winkelschule um die Ecke als in die weiter entfernte Stadtschule schickten. Die Darmstädter Schülerinnen konnten bis zur Gründung einer Mädchenfreischule 1764 die Deutsche Schule des Schulmeisters Pistorius, die im ehemaligen Schultheißenbau untergebracht war, die Hospitalschule oder eine der Nebenschulen besuchen.

Organisation des Schulwesens im 17. und 18. Jahrhundert

Die Deutsche Schule, die bis 1690 existierte, wurde als „städtische Schule“ von der Gemeinde getragen, während die als Vorschule mit dem Pädagog verbundene „Stadtschule“ nach wie vor kirchlich war. Nach dem Ende der Deutschen Schule beteiligte sich die Stadt an der Finanzierung des Neubaus der Stadtschule hinter der Stadtkirche (1691) und einer dritten Lehrerstelle an der Stadtschule (1710). Der Altbau von 1571 und der Neubau von 1691 standen ca.150 Jahre nebeneinander, bis sie beide 1835/36 durch einen dreistöckigen Neubau an gleicher Stelle ersetzt wurden. Seit dem späten 17. Jahrhundert hatte die Stadtschule zwei Abteilungen, eine für die nicht auf das Studium zielenden Schüler und eine zur Vorbereitung auf das Pädagog, in der die Grundlagen für den Latein- und Griechisch-Unterricht gelegt wurden.

Schlechte Unterrichtsverhältnisse an Stadtschule und Pädagog in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ließen die Zahl der Privatschulen und Hauslehrer sprunghaft ansteigen. Seit 1718 unterhielt J. K. Würth eine private Mädchenschule. Bekannt waren auch die Schulen von Johann Konrad Ayrer und den Geschwistern Kirchhöfer. Weitere 15-20 Privatschulen dürften Unterricht angeboten haben. 1783 suchte die Schulverwaltung den Privatunterricht durch Erlass einer neuen Ordnung für die Stadtschule einzudämmen. Sie wurde jetzt aufgeteilt in zwei Knabenklassen und eine Mädchenklasse. 1802 wurde eine zweite Mädchenklasse eingerichtet. Seitdem gab es eine Stadtknaben- und eine Stadtmädchenschule. Dennoch sank die Stadtschule in ihrer Bedeutung wieder auf eine reine Vorschule des Pädagogs herab, die sie schon einmal gewesen war, eine niedere Schule, die nur Grundkenntnisse vermittelte. In die dadurch entstandene Lücke im Bildungswesen wuchs die Realschule hinein, die im Laufe des 19. Jahrhunderts dem Pädagog, das jetzt „Gymnasium“ und seit 1879 Ludwig-Georgs-Gymnasium hieß, Konkurrenz machte.

Alle genannten Schulen verlangten Schulgeld und konnten von Schülern aus mittellosen Familien nicht besucht werden. Deshalb gründete Landgraf Georg I. kurz nach 1590 eine erste, vom Hof finanzierte Armenschule, in der Arme und verwaiste Kinder unterrichtet wurden. Sie ging bereits 1611 wieder ein. Nachfolgeschulen erhielt sie erst 1685 mit der an das alte Hospital (Klinikum DA) angeschlossenen Hospitalschule, die auf eine fromme Stiftung der Landgräfin Elisabeth Dorothea zurückging, und der Waisenhausschule, die 1698 im ein Jahr zuvor begründeten Darmstädter Waisenhaus eingerichtet wurde und bis zur Aufhebung des Waisenhauses 1831 bestand. In beiden Schulen wurde Wert auf die religiöse Erziehung der Knaben und Mädchen gelegt und darüber hinaus den Kindern nur das Nötigste beigebracht. Im Jahr 1764 wurde die Hospitalschule, an der bereits 1710 eine zweite Klasse eingerichtet worden war und später Mädchen und Jungen getrennt unterrichtet wurden, aufgelöst und in die von der Stadt eingerichteten Freischulen für Knaben und Mädchen überführt, die bis 1827 neben der Schirn, dem alten Schlachthof, betrieben wurden. Für Soldatenkinder wurde 1787 eine eigene Garnisonsschule gegründet, die als Freischule bis 1870 bestand. Daneben gab es seit 1771 eine reformierte Schule, die erst 1835 mit der Vereinigung der beiden ev. Kirchen geschlossen wurde. Erst mit dem Volksschulgesetz 1874 wurden die Armen- bzw. Freischulen endgültig beseitigt und die Kinder in das normale Schulsystem integriert.

Modernisierung des Schulwesens im 19. Jahrhundert

Das 19. Jahrhundert stellte durch den rasanten Bevölkerungsanstieg und die geänderten Bildungsanforderungen eine gewaltige Herausforderung für das Darmstädter Schulwesen dar. Das Gymnasium sah sich fortgesetzten Forderungen kaufmännischer und handwerklicher Kreise nach größerer Gewichtung der Realien gegenüber, die Rektor Johann Georg Zimmermann strikt ablehnte. Diese Haltung führte einerseits 1821 zur Gründung einer Realschule neben dem Gymnasium, die nach dem Willen Zimmermanns den niederen Schulen gleichgestellt sein sollte, sich aber zunehmend zu einer höheren Schule eigener Prägung entwickelte. Zum anderen wurde 1812 mit der von Georg Moller initiierten Bauschule die erste Fortbildungsschule für Bauhandwerker eröffnet (Berufliches Schulwesen, Ingenieurschule für Bauwesen). Auch die Stadtschulen mussten sich neuen Herausforderungen stellen. Die je zwei Stadtknaben- und Stadtmädchenklassen waren mit jeweils 100 Kindern, die von einem Lehrer unterrichtet wurden, ohnehin schon überbesetzt. Auch die beiden Freischulen, zu denen die Garnisonsschule, die reformierte Schule und ab 1804 auch eine kath. Schule hinzukamen, brachten hier keine Erleichterung. 1811 wurde eine dritte, 1819 schließlich eine vierte Stadtmädchenklasse bei mittlerweile fast 600 zu unterrichtenden Mädchen eingerichtet. Unterrichtsgebäude waren das Kyritzsche Stift (Kyritz) an der Karlstraße, das Maysche Stift an der Alexanderstraße und das 1823 neu errichtete Schulgebäude am Ballonplatz. Die beiden ersten Stadtmädchenklassen erforderten das höchste Schulgeld und wurden deshalb von den „besseren Kreisen“ besucht. Sie wurden 1829 zu einer höheren Bürger-Mädchenschule erhoben, aus der später die Viktoriaschule hervorging. 1911 wurde mit der Eleonorenschule eine zweite höhere Mädchenschule errichtet.

Der Andrang von Mädchen zu den höheren Bildungsanstalten war so groß, dass im 19. Jahrhundert auch noch mehrere private Mädchenschulen bestanden. 1823 bis 1828 betrieb die aus Mainz stammende Erzieherin Franziska Lennig ein kurzlebiges privates Institut, 1832 gründete Janette Hofmann (1803-1873) das nach ihr benannte „Hofmannsche Institut“, eine christlich geprägte Mädchenschule, die für fast ein Jahrhundert zu den beliebtesten Privatschulen zählte und zeitweise mehr als 300 Schülerinnen unterrichtete. 1918 wurde sie vom Elisabethenstift übernommen und als „Elisabethenschule“ weitergeführt. Eine kath. höhere Töchterschule wurde 1854 auf Initiative von Stadtpfarrer Johann Baptist Lüft gegründet, 1870 unter dem Namen „Institut St. Mariä“ von den „Englischen Fräulein“ übernommen und als zehnklassige höhere Mädchenschule weitergeführt. 1938 wurde die Schule zwangsaufgelöst, das Schulgebäude von der Stadt für Zwecke der Berufsschulen und der Ingenieurschule für Maschinenwesen übernommen. Fortgeführt wird die Tradition der Schule von der Edith-Stein-Schule. Insgesamt gab es in DA etwa zehn private Mädchenschulen. Hinzu kamen vier Privatschulen für Jungen, darunter die 1821 bis 1835 bestehende Anstalt von Karl Weitershausen (1790-1837), deren berühmtester Schüler Georg Büchner war, und die 1822 gegründete und sehr angesehene Schule von Heinrich Schmitz (1797-1876), die „Schmitze Schul“, die bis 1880 bestand. Später kam noch das Pädagogium von Michael Elias hinzu (1867-1926).

Die Armen- bzw. Freischulklassen aus der Schirn zogen 1823 in ein neues Schulgebäude am Ballonplatz, das seitdem die Darmstädter Frei- bzw. Armenschule beherbergte. Zeitweise wurden hier in den einzelnen Klassen bis zu 200 Kinder unter katastrophalen Umständen unterrichtet. Die in atemberaubendem Maße steigende Schülerzahl führte in den folgenden Jahrzehnten zu immer neuen Umgestaltungen des niederen Schulwesens, bis in den Jahren 1871 bis 1877 die Vereinigung aller niederen Schulen (Stadtschulen, Stadtfreischulen, kath., reformierte und Garnisonsschule) zu einer einheitlichen Schulorganisation gelang. Das Schulgeld wurde abgeschafft. Es gab fortan Stadtknaben- und Stadtmädchenschulen mit einheitlichem Unterrichtsplan. Die Religion wurde etwas zurückgedrängt zugunsten anderer Fächer, z. B. Geschichte und Turnen, daneben waren wie bisher Lesen, Schreiben und Rechnen wichtig. Neben den niederen Schulen sah das Volksschulgesetz von 1874 erweiterte Volksschulen vor, die unter dem Namen „Mittelschulen“ oder „Bezirksschulen“ eingeführt wurden. Sie sollten die Bedürfnisse des Handwerks und des so genannten Mittelstands berücksichtigen. In den folgenden Jahren wurden in DA mehrere Schulen neu gebaut, um der neuen Organisation Rechnung zu tragen. Die bereits bestehende Ballonschule wurde zur Stadtknabenschule I. 1878 wurde die Stadtknabenschule II in der Müllerstraße eröffnet, die heutige Schillerschule. Ebenfalls 1877/78 wurden die Gebäude der Stadtmädchenschule I in der Rundeturm- und der Landgraf-Georg-Straße fertig gestellt. 1906/07 folgte die Stadtmädchenschule II in der Emilstraße (heute Kyritzschule).

Bessunger Schule, 1868 errichtet, unterhalb das 1747 errichtete und 1871 abgerissene erste Bessunger Schulhaus, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Mit der Eingemeindung Bessungens im Jahr 1888 kamen weitere Schulen hinzu. Hier gab es bereits seit dem späten 16. Jahrhundert Schulunterricht. Das erste Schulhaus, ein dreistöckiges Fachwerkgebäude, wurde 1747 unterhalb der Bessunger Kirche errichtet. Durch den enormen Anstieg der Schülerzahlen im 19. Jahrhundert wurden zunächst 1826 eine jeweils einklassige Knaben- und eine Mädchenschule errichtet, die nach weiterer mehrmaliger Unterteilung 1868 bzw. 1878 eigene Schulgebäude erhielten, die Mädchenschule unterhalb der Kirche (1905/06 durch einen an gleicher Stelle errichteten am Jugendstil orientierten Neubau ersetzt) und die Bessunger Knabenschule an der Ludwigshöhstraße. Mit der Eingemeindung wurden beide Schulen als Stadtknabenschule III und Stadtmädchenschule III in das Darmstädter Schulsystem integriert. Der Schulbesuch wurde einheitlich auf acht Jahre festgelegt. Vier erweiterte Volksschulen wurden seit 1874 fertig gestellt: 1874 die Knabenmittelschule I in der Friedrichstraße (Ohlyschule, 1944 zerstört), 1884 die Mädchenmittelschule in der Viktoriastraße, die heutige Goetheschule, 1902 die Bezirksschule in der Lagerhausstraße (heute Diesterwegschule) und schließlich 1904 die Knabenmittelschule II in der Hermannstraße, die aber auch von Mädchen besucht wurde. Sie erhielt 1926 den Namen Mornewegschule.

Für Schwachbegabte wurde 1899 in der Adelungstraße eine „Hülfsschule“ errichtet, die 1911 einen Neubau in der Stiftsstraße bezog und den Namen „Pestalozzischule“ erhielt, die Vorgängerschule der heutigen Ernst-Elias-Niebergall-Schule. Nach 1945 kamen als Sonderschulen die Christoph-Graupner-Schule und die Herderschule für sprach-, hör- und sehgeschädigte Kinder hinzu.

Das Darmstädter Schulwesen im 20. und 21. Jahrhundert

Das Volksschulgesetz von 1922 änderte das System des Schulwesens noch einmal. Die verpflichtende vierjährige Grundschule ersetzte z. B. die dreijährigen Vorschulen des Ludwig-Georgs-Gymnasiums und des Alten Realgymnasiums. Das blühende Privatschulwesen des 19. Jahrhunderts wurde durch die Schulgesetzgebung des 20. Jahrhunderts zwar zurückgedrängt, aber reformpädagogische Konzepte, die in der Einheitsschule nicht verwirklicht werden konnten, führten immer wieder zur Gründung privater Schulen, etwa der Stein-Fichte-Schule (1915-19) oder in jüngerer Zeit der Waldorfschule, der Freien Comenius Schule und der Montessori-Schule. Während die achtklassigen Stadtknaben- und Mädchenschulen sich im Laufe der Zeit zu den heutigen Grund- und Hauptschulen entwickelten, sind die Mittelschulen als Vorläufer der heutigen Realschulen anzusehen. Die Nachfolge der Realschule des 19. Jahrhunderts haben heute die Gymnasien mit technisch-naturwissenschaftlichem oder wirtschaftswissenschaftlichem Schwerpunkt angetreten.

Im Sommer 1945 gab es in DA kaum noch intakte Schulgebäude. Von ehemals 26 Schulen waren in der Brandnacht 15 zerstört oder schwer beschädigt worden, die meisten anderen von Verwaltungsdienststellen belegt. Die Eleonorenschule diente zum Beispiel bis 1958 als Darmstädter Rathaus (Rathäuser). Die Diesterwegschule war von den Amerikanern beschlagnahmt. In der Bessunger Knabenschule waren zeitweise Einwohnermeldeamt, Wohnungsamt, Feuerwehr und weitere Dienststellen untergebracht. In der Justus-Liebig-Schule fand der Unterricht für das Ludwig-Georgs-Gymnasium, das Alte Realgymnasium und die Liebigschule selbst statt. Als am 01.10.1945 der Unterricht für die Volksschulen wieder begann, waren die Unterrichtsbedingungen unglaublich primitiv. Viele Schulräume waren nur notdürftig eingerichtet, Decken, Treppen und Fenster provisorisch repariert; bei Regen stand in vielen Schulsälen das Wasser. Im Winter musste der Unterricht wegen mangelnder Heizmöglichkeiten oft ausfallen. Die Schüler wurden in bis zu vier Schichten unterrichtet, vom frühen Morgen bis in den Abend hinein, und das bei Klassenstärken von bis zu 50 Kindern. Schulbücher und Lernmaterial waren knapp. Die schwer beschädigte Mornewegschule stand 1945 als einzige Volksschule für die gesamte Südhälfte DAs von der Heidenreichstraße bis zur Heimstättensiedlung zur Verfügung. Ab 1946 konnte dann die Bessunger Knabenschule teilweise genutzt werden, die Unterrichtsbedingungen besserten sich jedoch nicht wesentlich. Im Norden waren nur die Kyritz- und die Lessingschule nutzbar, ab 1949 mit Einschränkungen die Goetheschule.

Die Lichtenbergschule, 1966 eröffnet, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Die Schulsituation entspannte sich erst seit Anfang der 1950er Jahre, als mehrere neue Volksschulen errichtet wurden: die Elly-Heuss-Knapp-Schule für den Darmstädter Osten (1954), die Friedich-Ebert-Schule (1950) in der Heimstättensiedlung als Nachfolgerin der alten Heimstättenschule, die von den Amerikanern überlassene Carl-Schurz-Schule in Bessungen (1955) und als Haupt- und Realschule die Wilhelm-Leuschner-Schule (1956). 1958 folgten dann die Ludwig-Schwamb-Schule in Eberstadt, 1964 die Heinrich-Heine-Schule und 1967 die Heinrich-Hoffmann-Schule. Das 1977 eingeweihte Bessunger Bezirkszentrum mit Schule, Schwimmbad und Sporthalle, in das die Grundschüler der Bessunger Knabenschule einzogen, verfolgte ein damals sehr umstrittenes Konzept einer Verbindung von Schule und Sporteinrichtungen. Als Neubauten höherer Schulen kamen das Ludwig-Georgs-Gymnasium 1955, die Georg-Büchner-Schule (das frühere Alte Realgymnasium) 1960 und die Lichtenbergschule (die frühere Ludwigs-Oberrealschule) 1966 hinzu. Die Edith-Stein-Schule erhielt bedeutende Erweiterungsbauten. Die 1963 fertig gestellte Bernhard-Adelung-Schule (zunächst Realschule, heute Gesamtschule) ist die erste in Fertigbauweise hergestellte Schule. Die Fertigstellung des imposanten Riegelbaus des Berufsschulzentrums 1975, der Peter-Behrens-Schule, der Bertolt-Brecht-Schule als erster Oberstufenschule, der Christian-Morgenstern-Schule und der Christoph-Graupner-Schule für praktisch Bildbare 1978 schlossen das Schulneubauprogramm ab. An vielen Schulen hielten Pavillons als Raumerweiterung Einzug. In den letzten Jahrzehnten musste sich die städtische Schulverwaltung hauptsächlich damit befassen, ältere oder mangelhaft gebaute Schulen zu sanieren.

1971 legte OB Heinz Winfried Sabais seinen ersten Schulentwicklungsplan vor, der innerhalb von zehn Jahren die Verwirklichung der Gesamtschule vorsah. Der Plan blieb auf dem Papier, auch wegen der Raumnot an den Darmstädter Schulen. Die Gesamtschule war in den pädagogischen Diskussionen der 1970er und 1980er Jahre heftig umstritten. Sowohl über die Einführung überhaupt als auch über die Form wurde gestritten: integriert, d. h. schulformunabhängige Gliederung, keine Haupt-, Real- und Gymnasialzweige, sondern ein Kernkurssystem, das die individuelle Förderung jedes Schülers erleichtern soll; oder kooperativ, d. h. Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialzweig werden bis Klasse 10 zu einer Schulorganisation zusammengefasst. Heute gibt es in DA fünf integrierte (Erich-Kästner-Schule, Freie Comenius Schule, Mornewegschule, Bernhard-Adelung-Schule und Montessori-Schule) und zwei kooperative Gesamtschulen (Gutenbergschule, Stadtteilschule Arheilgen). Der 1995 vorgestellte, 2006 und 2011 fortgeschriebene Schulentwicklungsplan stellte die Weichen für die künftigen Schulplanungen: Zusammenlegung von Schulen in Arheilgen, Erweiterungsbauten von Schulen und Errichtung von Gesamtschulen. Auch die Integration lernbehinderter Grundschüler in die Regelschulen, in den letzten Jahren mehr und mehr verwirklicht, war 1995 bereits vorgesehen, ebenso der Ausbau der Schulsozialarbeit. Das zum Schuljahr 2006/07 eingeführte Modell der „Unterrichtsgarantie plus“, das zur Vermeidung von Unterrichtsausfall die Beschäftigung schulfremder Lehrkräfte vorsieht, setzte sich trotz anfänglicher Proteste durch und garantiert für die Klasse 1 vier und für Klassen 2-7 fünf Zeitstunden täglichen Unterrichts.

Die Gymnasien waren in den letzten zehn Jahren vor allem von der Auseinandersetzung um die Einführung der achtjährigen Gymnasialzeit betroffen. Die Novellierung des Hessischen Schulgesetzes sah ab dem Schuljahr 2004/05 für die Gymnasien und die kooperativen Gesamtschulen die schrittweise Einführung der verkürzten gymnasialen Schulzeit auf 8 Jahre vor („G 8“), die mit einer Ausweitung der Stundentafel um 4-5 Stunden in den Jahrgangsstufen 5 bis 9 und der Zunahme des Nachmittagsunterrichts einherging. Eine weitere Neuerung betraf die Einführung des zentralen Landesabiturs in Hessen im März 2007. Bereits zum Schuljahreswechsel 2008 kehrten die kooperativen Gesamtschulen zur neunjährigen Gymnasialzeit zurück, nach Einführung einer Wahlmöglichkeit auch ein Teil der Darmstädter Gymnasien ab dem Schuljahr 2015/16.

Insgesamt gibt es heute in DA einschließlich der privaten Schulträger 20 Grundschulen (zum Teil erweitert um Vorschulklassen und Förderstufen), 3 Haupt- und Realschulen, 7 Gesamtschulen, 4 Förderschulen, 10 Gymnasien, je ein Oberstufen- und Abendgymnasium und sechs Berufsschulen, die insgesamt von rund 11.000 Schülern besucht werden.

Schulwesen in Arheilgen

In Arheilgen wurde 1558 die erste Dorfschule als Kaplaneischule errichtet. Der jeweilige Kaplan hatte auch die Arheilger Kinder zu unterrichten. Nachdem die Kaplanei 1635 zerstört worden war, übernahmen ab 1650 Handwerksmeister oder ausgediente Soldaten den Unterricht im um 1670 neu erbauten Schulhaus. Daneben übten sie meist noch das Amt des Vorsängers oder Organisten in der Kirche aus, waren Kirchendiener und Glöckner. 1786 wurde neben der Kaplanei in der Nähe der Kirche ein neues Schulhaus mit einer Wohnung für den Schulmeister errichtet. Das sehr geräumige Haus reichte bereits an der Wende zum 19. Jahrhundert bei rund 200 Arheilger Schulkindern nicht mehr aus, ein zweites Schulhaus am Ruthsenbach wurde 1829 errichtet. Im neuen Rathaus – heute Bezirksverwaltung – wurde bereits 1840 eine dritte Klasse eingerichtet. 1851 hatten mittlerweile vier Klassen jeweils über 100 Kinder, die von einem Lehrer unterrichtet wurden. Eine kurzzeitige Entspannung brachte die Errichtung eines vierten Schulhauses 1880 hinter dem Löwen, mit vier Schulsälen und zwei Lehrerwohnungen. Schließlich erwarb die Gemeinde im Jahr 1895 ein großes Gelände zwischen Altem Stadtweg und Bernhardstraße und errichtete hier in mehreren Bauabschnitten die Gebäudeteile der Arheilger Schulinsel. 1897 entstand die im klassizistischen Stil errichtete Schillerschule und 1907 bis 1914 wurden die durch einen Mitteltrakt miteinander verbundene Rathenau- und die Ebert-Schule im traditionalistischen Stil ergänzt. Die alten Schulen im Ortskern wurden geschlossen.

Eröffnung der Carl-Ulrich-Schule 1990, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

1933 mussten die Namen Rathenau- und Ebert-Schule verschwinden, und mit der Eingemeindung Arheilgens nach DA legte auch die Schillerschule ihren Namen ab, weil es in der Innenstadt schon eine Schillerschule gab. Der gesamte Komplex hieß nun „Volksschule Darmstadt-Arheilgen“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie als Grund- und Hauptschule genutzt und erhielt 1954 den Namen Carl-Ulrich-Schule (Carl Ulrich). 1983 wurde die Schule in eine integrierte Gesamtschule umgewandelt und zwischen 1988 und 1990, nach Abriss der alten Turnhalle aus dem Jahr 1912, um einen Neubau zwischen dem alten Hauptgebäude und der ehemaligen Berufsschule von dem Architekten Reinhold Kargel erweitert. Der Neubau bot Platz für weitere Klassenzimmer und Fachräume und fasste die Einzelbauten zu einer Einheit zusammen. Als in den 1990er Jahren die Schülerzahlen der Carl-Ulrich-Schule und der ebenfalls in Arheilgen gelegenen Thomas-Mann-Schule immer weiter abnahmen, wurde 1996 mit der Zusammenlegung der beiden Schulen zur Stadtteilschule Arheilgen im Gebäude der ehemaligen Thomas-Mann-Schule begonnen und das Carl-Ulrich-Schulgebäude seit 1997 von der Astrid-Lindgren-Schule (ehem. Brüder-Grimm-Schule), einer Grundschule, genutzt. Seit 1968 gibt es mit der Wilhelm-Busch-Schule eine weitere Grundschule in Arheilgen. Der auf Arheilger Gemarkung errichtete Stadtteil Kranichstein erhielt mit der Erich-Kästner-Schule eine eigene Grundschule und Integrierte Gesamtschule. Ebenfalls in Arheilgen befindet sich mit der Freien Comenius Schule eine privat geführte Grund- und Gesamtschule.

Schulwesen in Eberstadt

1578 wurde in Eberstadt erstmals Schulunterricht gehalten, als der von Ludwig von Frankenstein eingesetzte Lehrer Jost Seberger in einem Haus am Pfaffenberg mit dem Schulunterricht begann. Der Wandel Eberstadts von der dörflichen Gemeinde zum städtisch geprägten Vorort DAs im 19. Jahrhundert spiegelte sich deutlich im Schulbau wieder, zunächst in der 1880 aus einer ehemaligen Scheune entstandenen Georgenschule, die im Volksmund auch „Zigarrenkist“ genannt wurde. 1902 baute das Kreisbauamt neben der Georgenschule die Ernst-Ludwig-Schule mit acht Volksschulräumen und zwei Klassen der Handwerker- und Zeichenschule. Bereits sechs Jahre später musste wegen der sprunghaft gestiegenen Schülerzahl eine dritte Schule errichtet werden, die von Georg Scherer entworfene Eleonorenschule. Diese diente seit 1915 als Lazarett und nahm erst nach dem Ersten Weltkrieg den Schulbetrieb wieder auf. Seit 1918 tragen Eleonoren- und Ernst-Ludwig-Schule gemeinsam den Namen „Gutenbergschule“. Nach 1945 wurde eine der beiden in „Frankensteinschule“ umbenannt, bis der Name auf die 1969/70 errichtete Frankensteinschule in der Villenkolonie überging.

Die Gutenbergschule war bis 1953 Volksschule und erhielt dann einen eigenen Realschulzweig. 1992 wurde sie zur Gesamtschule mit Förderstufe ausgebaut. Mit dieser Veränderung stieg die Schülerzahl so stark an, dass im Jahr 2000 ein zweigeschossiger Neubau entlang der Pestalozzistraße errichtet wurde. Der Erweiterungsbau bot Platz für weitere Klassenzimmer und eine Aula. Zwei Jahre nach der Fertigstellung des Neubaus wurde mit einer grundlegenden Sanierung des alten Hauptgebäudes begonnen. Die alte Georgenschule dient heute als Jugendzentrum. Alle weiteren Eberstädter Schulbauten datieren aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit der Errichtung der Ludwig-Schwamb-Schule in der Kirchtannensiedlung (1958/59) konnte der nach Kriegsende eingeführte Schichtunterricht an den Eberstädter Schulen beendet werden. Fünf Jahre nach der Fertigstellung war die Schule aufgrund der ständig wachsenden Schülerzahl zu klein geworden und bekam deshalb einen neuen Pavillonbau mit vier Klassenräumen hinzu. 1982/83 musste der Hauptschulzweig geschlossen werden, und die Ludwig-Schwamb-Schule wurde zu einer reinen Grundschule mit Förderstufe (heute mit Vorklasse). Neben der Schwambschule entstanden die Andersenschule in der Ostpreußensiedlung (1965/66), die Wilhelm-Hauff-Schule in Eberstadt-Süd (1970-75), beides Grundschulen, und die bereits erwähnte Frankensteinschule in der Villenkolonie. 1983 bezog die vorher in der Bessunger Knabenschule untergebrachte Freie Waldorfschule ihren Neubau nahe der Eschollmühle (Mühlen in Eberstadt). Ebenfalls auf Eberstädter Gemarkung liegt mit dem Schulzentrum Marienhöhe eine weitere nicht in öffentlicher Trägerschaft stehende Schule.

Schulwesen in Wixhausen

Das älteste Wixhäuser Schulhaus stand an der Ecke Römer- und Wiesengasse. Es sollte 1779 an den Gemeindeschmid verkauft werden, was Schullehrer Beck jedoch verhindern konnte. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden dort in drangvoller Enge etwa 100 Kinder in zwei Klassen unterrichtet. 1818 war das Schulhaus baufällig, wurde aber zunächst nur notdürftig repariert. Erst 1835 errichtete die Gemeinde einen Neubau in der Mittelgasse, der jedoch einige Jahre später wieder zu eng war. Daraufhin mietete man 1842 einen Saal und eine Lehrerwohnung für eine zweite Schulklasse an, die von einem zweiten Lehrer unterrichtet wurde. 1864/65 wurde neben der Schule eine neue Lehrerwohnung errichtet und diese 1876 zu einem Schulbau erweitert, in der nicht nur die bisher entfernt untergebrachte zweite, sondern auch eine neu gegründete dritte Klasse unterkamen. Die Wixhäuser Schule war bis 1967 eine Volksschule bzw. Grund- und Hauptschule. 1971 wurde sie zur reinen Grundschule umgestaltet und erhielt den Namen „Georg-August Zinn-Schule“.

Lit.: Trieschmann, Jochen: Die Entwicklung des Darmstädter Schulwesens mit besonderer Berücksichtigung der niederen Schulen, Mag. Arbeit, TU Darmstadt 1980; Fertig, Ludwig: Von der Winkelschule zum Reforminternat. Zur Geschichte der Darmstädter Privatschulen. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, NF 62, 2004, S. 185-232; Fertig, Ludwig: Bildung in der Residenz. Texte zur Erziehungs- und Schulgeschichte Darmstadts 1600-1950, Darmstadt 1999; Metzler, Andrea: Zur Geschichte der höheren Mädchenbildung in Südhessen. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde, NF 51, 1993, S. 175-222; Andres, Wilhelm: Alt-Arheilgen. Geschichte eines Dorfes, Darmstadt 1978 (Darmstädter Schriften 41), S. 154-181; Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Stadt Darmstadt. Hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen in Zusammenarbeit mit dem Magistrat der Stadt Darmstadt – Denkmalschutzbehörde – Braunschweig, Wiesbaden 1994, S. 604, 626; Kirschner, Friedel: Denkmalgeschützte Bauwerke in Eberstadt, Darmstadt 2001 (Eberstädter Heimathefte 21), S. 19f.; Ruhl, Hans-Eberhard: Darmstadt-Wixhausen. Eckdaten und Grundzüge seiner Geschichte, Darmstadt 1995, S. 293f. 315-319, 330-333; Möbus, Walter: Bessunger Lesebuch, Darmstadt 1987, S. 51-75, 174-186.