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Bessunger Knabenschule

Die Bessunger Knabenschule ist das älteste heute noch stehende Schulgebäude in DA. Seit 1868 wurden die Bessunger Jungen und Mädchen gemeinsam im neuen Schulhaus neben der Kirche unterrichtet (heute Herderschule). Nach wenigen Jahren war das Schulgebäude durch den enormen Bevölkerungsanstieg bereits überlastet. Die Gemeinde Bessungen errichtete deshalb an der Ludwigshöhstraße ein neues Gebäude, die Bessunger Knabenschule, die die fünf Bessunger Jungenklassen – mit über 70 Schülern pro Klasse – am 12.09.1878 beziehen konnten. Die seitherige gemeinsame Schule am Kapellberg wurde zur Mädchenschule (Schulwesen). Nach der Vereinigung DAs mit Bessungen 1888, als bereits sieben Klassen unterrichtet wurden, hieß die Bessunger Knabenschule offiziell „Stadtknabenschule III“. 1902 bis 1922 waren vier Klassen der Bessunger Knabenschule ausgelagert im ehemaligen Gebäude der Druckerei Lautz am Herdweg. Die Schule, die im Zweiten Weltkrieg zeitweise als Sammelstelle für Ersatztruppenteile und als Waffendepot genutzt wurde, überstand als einziges Bessunger Schulgebäude die Brandnacht unversehrt.

Ab 1945 diente sie als Feuerwehrstützpunkt. Auch Wohnungsamt, Verpflegungslager, Behelfspostamt u. a. Einrichtungen waren dort zeitweise untergebracht. Seit Ende November 1945 diente die Bessunger Knabenschule wieder als Volksschule, die Schüler mussten allerdings bis 1954 die Feuerwehr als Mitnutzerin des Schulgebäudes dulden. Erst damals war die neue Feuerwache in der Bismarckstraße bezugsfertig (Feuerwehr). Im selben Jahr wurde die Schule, da seit 1945 auch Mädchen unterrichtet wurden, „Bessunger Schule“ benannt. Zu dieser Zeit wurden dort über 1.000 Schüler in 21 Klassen von lediglich 19 Lehrern unterrichtet, denen wegen der Feuerwehr nur 8 Klassenräume zur Verfügung standen. Mit der Einführung des neunten Schuljahrs 1964/65 errichtete die Stadt Pavillons und neue Werkräume als Erweiterung. Die Bessunger Knabenschule erregte trotzdem aufgrund des alten beengten Schulgebäudes und des schlechten baulichen Zustands weiter Ärger und Unzufriedenheit bei Eltern und Lehrern, die sich erst mit dem Umzug der Grundschulklassen in die benachbarte neue Bessunger Schule im Jahr 1977 legten. Die Hauptschulklassen wurden der Mornewegschule angegliedert. Von September 1978 bis Oktober 1982 diente die Bessunger Knabenschule als Quartier der Waldorfschule, bevor diese ihren Neubau in Eberstadt bezog. Seit 1983 ist sie ein soziokulturelles Zentrum, das von einem Trägerverein geleitet und verwaltet wird, dessen Initiator und treibende Kraft über 20 Jahre lang Jürgen Barth war. Mehr als 80 Gruppen aus den Bereichen Musik, Theater, Kinderbetreuung u. a. machen die Knabenschule bis heute zu einem belebten und beliebten Ort unterschiedlichster sozialer und kultureller Aktivitäten.

Lit.: Möbus, Walter: Bessunger Lesebuch, Darmstadt 1987, S. 52-59, 65-75.