Stadtlexikon Darmstadt

Logo Darmstadt
Arheilgen
Ältestes Arheilger Gerichtssiegel, 1636, mit der Figur des Kirchenpatrons Kilian und der „Brille“, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Die Gründung des Ortes ist nicht datiert, jedoch in frühfränkischer Zeit (5./6. Jahrhundert) anzusetzen. Erstmals erwähnt wurde Arheilgen in einem um das Jahr 1000 entstandenen Zinsregister der Benediktinerabtei Seligenstadt (die frühere Datierung 836 ist nicht haltbar). Nach neuerer Deutung ist der Ortsname als „Bei den Ganzheiligen“ zu erklären und nimmt auf ein „heiliges“ Geschehen Bezug (etwa ein Wunder), das heute nicht mehr zu ergründen ist. Im 11. Jahrhundert kam Arheilgen mit vielen Dörfern der Umgebung als Teil des Königshofs Groß-Gerau durch kaiserliche Verleihung an das Bistum Würzburg. Auf die Verbindung zu Würzburg deuten auch das ursprüngliche Kilianspatrozinium der Kirche sowie das erstmals 1636 überlieferte Gerichtssiegel hin. Den ältesten Siedlungskern bildete das Oberdorf an der heutigen Messeler Straße bis etwa zur Geißengasse und rund um die ursprünglich karolingische Kirche, die im 12. oder 13. Jahrhundert einen Nachfolgebau erhielt, der seinerseits 1482 durch einen spätgotischen Neubau ersetzt wurde. Die Grafen von Katzenelnbogen, die seit dem 13. Jahrhundert um DA herum einen Schwerpunkt ihrer Territorialherrschaft ausbildeten, waren seit dieser Zeit Orts- und Gerichtsherren des Oberdorfs. Das jüngere Unterdorf von der Schreiberpforte entlang der Darmstädter Straße bis zum Löwen ist eine Gründung der Herren von Münzenberg, die als ehemalige Vögte des Bannforsts Dreieich ausgedehnten Besitz nördlich und südlich Arheilgens hatten. Nach ihrem Aussterben 1259 versuchten die Grafen von Katzenelnbogen vergeblich, sich das Erbe der Münzenberger zu sichern. Das Unterdorf fiel an die Herren von Falkenstein. Vermutlich zur Sicherung ihres Oberdorfs gegen das Falkenstein’sche Unterdorf errichteten die Grafen einen befestigten Amtssitz, dessen Grundmauern 1955 neben der Kirche entdeckt wurden. Das wohlhabende Unterdorf unterschied sich mit seinen ausladenden Hofreiten deutlich vom ärmeren Oberdorf. Die Bewohner bezogen ihren Wohlstand nicht nur aus der Größe ihrer Felder, sondern auch aus der Lage an der Landstraße von Frankfurt am Main nach Heidelberg. Reisende machten hier Station und stellten ihre Pferde unter. Beide Dörfer waren getrennt durch den Ruthsenbach und jeweils von einem mit Wasser gefüllten Dorfgraben umschlossen. Allerdings stand den Katzenelnbogenern als Landesherren die höhere Gerichtsbarkeit über beide Dörfer zu. Dies nutzten sie nach dem Aussterben der Herren von Falkenstein, um sich in den Besitz des Unterdorfs zu bringen, was ihnen 1437 endlich gelang.

Arheilgen in hessischer Zeit

1479 fiel das nunmehr vereinigte Arheilgen mit der gesamten Obergrafschaft Katzenelnbogen an die Landgrafen von Hessen. 1527 wurde mit der Einsetzung des ersten ev. Pfarrers Heinrich Moter die Reformation (Kirchengeschichte) eingeführt. Ihr fiel die Wallfahrtskirche „Unser Lieben Frauen“ auf dem Gelände des heutigen Friedhofs (Friedhöfe) zum Opfer, die wohl nach 1527 aufgehoben und auf Abbruch versteigert wurde. Einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Arheilgen wie die gesamte Obergrafschaft Katzenelnbogen in der Regierungszeit Landgraf Georgs I. (1567-1596). Arheilgen war damals mit knapp 1.000 Einwohnern nicht viel kleiner als DA. Diese lebten hauptsächlich in 143 Hofreiten, die sich um die beiden Hauptstraßen, die Dieburger (Messeler) Straße und die Darmstädter Straße, gruppierten. Es gab drei Dorftore, zunächst lediglich bewachte Schlagbäume, später überbaute Tore mit anschließenden Wohnungen: Im Süden das Darmstädter Tor, im Osten das Obertor und im Nordwesten das Frankfurter Tor. Alle drei wurden nach dem Dreißigjährigen Krieg nicht wieder aufgebaut. Das Frankfurter Tor behielt jedoch seine Funktion als Zollerheberstelle und wurde deshalb Schreiberpforte genannt. Der mit Wasser gefüllte Dorfgraben, der die Siedlung umgab, wurde ebenso wie der begleitende Wall im 17. und 18. Jahrhundert nach und nach zugeschüttet bzw. abgetragen. Bis zur Zeit Georgs I. hatte Arheilgen kein Rathaus besessen. 1589 begann der Neubau des Rathauses an der heutigen Messeler Straße westlich des Ruthsenbachs. Das noch im selben Jahr fertig gestellte Gebäude diente auch als Sitz des Landgerichts und der Zent. Im Erdgeschoss waren das Gemeindebackhaus und die Gemeindeschmiede untergebracht. Georg I. reformierte auch die Ortsverwaltung, indem er die Bürgermeisterverfassung einführte. An der Spitze stand nach wie vor der gräfliche Schultheiß. Neben den zwei jährlich gewählten Bürgermeistern, die für die Rechnungslegung zuständig waren, gab es weitere Ortsdiener: Büttel, Schreiber, Kuh- und Sauhirten, Gassenwächter und Schützen. Der Schultheiß stand auch dem zwölfköpfigen Schöffengericht vor, das für die niedere Gerichtsbarkeit, aber auch für die allgemeine Ortsverwaltung zuständig war. Hier wurden Fälle von Beleidigung, Ruhestörung, Diebstahl usw. verhandelt sowie Beurkundungen durchgeführt. Zusammen mit den Schöffen des benachbarten Erzhausen bildete das Arheilger Gericht auch das Land- oder Zentgericht unter dem Vorsitz des Arheilger Zentgrafen, der häufig mit dem Ortsschultheißen identisch war. Hier wurden Fälle der Blutgerichtsbarkeit verhandelt sowie Todesstrafen verhängt und vollstreckt.

Arheilgen im Dreißigjährigen Krieg

Der wirtschaftliche Aufschwung in Arheilgen wurde durch die Schrecken des Dreißigjährigen Krieges beendet. Bereits 1622 raubten die Truppen des Grafen von Mansfeld alle Häuser und die Kirche aus. Im Januar 1635 wurde der Ort von französischen Truppen vollständig niedergebrannt. Nur wenige Häuser blieben stehen. Die überlebenden Einwohner flüchteten hinter die vermeintlich sicheren Mauern des nahen DA, wo viele von ihnen an der Pest starben. 1640 gab es in Arheilgen nur noch 16 Familien. 1622 waren es noch 149 gewesen. Der Wiederaufbau des Dorfs nach dem Ende des Krieges, der von den wenigen erhaltenen Hofreiten des Unterdorfs ausging, sollte mehrere Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Die Einwohnerzahl Arheilgens stieg nur ganz allmählich durch zurückkehrende Flüchtlinge und Neuansiedler wieder an. Ein baufälliges Haus an der Darmstädter Straße wurde als neues Pfarrhaus für das zerstörte alte eingerichtet, Gottesdienst im nur zum Teil zerstörten Rathaus gehalten, bis am 07.11.1683 die wieder aufgebaute Kirche feierlich eingeweiht werden konnte. Um die neue Kirche und das 1680 ebenfalls wieder aufgebaute alte Pfarrhaus entstanden auch im Oberdorf wieder einfache Neubauten, von denen einige noch heute stehen, z. B. in der Rathausgasse. Einige Jahre jünger als die Kirche ist die 1693 errichtete Zehntscheuer, die zur Sammlung des landgräflichen Heus und Strohs für die Hofhaltung in Kranichstein diente. Das größte Arheilger Anwesen an der Darmstädter Straße (heute Messeler Straße 6), das schon im Mittelalter als Sitz von Darmstädter Burgmannen und seit dem 16. Jahrhundert als Gasthof gedient hatte, wurde 1650 von Sophie Eleonore, Gattin Landgraf Georgs II., erworben und zum fürstlichen Hofgut ausgebaut. Danach ging es durch die Hände mehrerer adliger Besitzer, bis es 1789 der Darmstädter Kriegsrat Johann Heinrich Merck erwarb, der hier nur gut zwei Jahre bis zu seinem Freitod im Juni 1791 lebte. Die Feldflur war nach 1648 zum größten Teil zerstört oder verwildert, ein geordneter Viehtrieb nicht mehr möglich. Um Arheilgen herum lagen ausgedehnte Weingärten, vor dem Krieg einer der Hauptwirtschaftszweige der Arheilger Bauern. Nach der langen Kriegszeit fristete der Weinbau jedoch nur noch ein kümmerliches Dasein und wurde bald aufgegeben. Neben dem Weinbau und dem Anbau von Feldfrüchten zogen die Arheilger erheblichen Nutzen aus ihrem Waldbesitz, den sie zur Gewinnung von Bau- und Brennholz und als Weide für Schweine, Kühe, Pferde und Schafe nutzten. Die Waldvernichtung vor allem des 16. Jahrhunderts wurde von der Regierung Georgs I. gestoppt, indem er die Waldnutzung einschränkte und statt der abgeholzten Eichen- und Buchenbestände, vor allem im Westen in der Täubcheshöhle, schnell wachsende Kiefern und Fichten einsäte. Die neuen Wälder wurden jedoch in Hege gelegt, standen damit den Bauern nicht mehr zur Verfügung (Waldgeschichte). Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurden weitere Stücke der Arheilger Feldgemarkung im Oberwald und in der Täubcheshöhle mit Nadelholzsamen eingesät und dadurch der Nutzung durch die Gemeinde entzogen. Eine weitere einschneidende Beschränkung ihrer bäuerlichen Rechte erlebten die Bewohner Arheilgens durch die zu Beginn des 18. Jahrhunderts eingeführte Parforcejagd. Statt ihre Felder zu bestellen, hatten die Bauern tagelang in Jagdfron bei Parforce- und Saujagden zu helfen. Als die Belastungen in den Jahren nach 1720 unerträglich wurden, zogen ab 1723 einige Familien aus Arheilgen weg nach Ungarn, um dort als Kolonisten einen Neubeginn zu wagen. Erst mit dem endgültigen Ende der Parforcejagd nach dem Tod Ludwigs VIII. 1768 fielen die enormen Belastungen durch die Jagd weg, weil Flurschäden und Jagdfronden aufhörten und das überhand nehmende Wild abgeschossen werden durfte (Jagdgeschichte).

Arheilgen im 18. und 19. Jahrhundert

Neben dem Ackerbau lebten die Arheilger im 18. und auch im 19. Jahrhundert hauptsächlich vom Durchreiseverkehr auf der Chaussee Frankfurt-DA. Viele Messebesucher stiegen hier, eine Tagesreise von Frankfurt entfernt, ab. Die bekanntesten Gasthöfe waren der Breidenstein’sche Hof, später Gasthof „Zum Hirsch“, an der Schreiberpforte, gegenüber in der Dieburger (Messeler) Straße das Gasthaus „Zum Weißen Ross“, weiter die Darmstädter Straße hinunter der „Schwan“, der „Storch“ und am Ortsausgang Richtung DA der „Goldene Löwe“. Im späteren 19. Jahrhundert kamen noch die „Sonne“, der „Grüne Baum“, die „Krone“ und der „Darmstädter Hof“ hinzu. Vom bescheidenen Wohlstand, den Arheilgen dadurch erlangte, zeugen einige neu gebaute mehrstöckige Hofreiten, hauptsächlich an der Darmstädter Straße. Auch die Beeinträchtigungen durch kriegerische Ereignisse wie den Österreichischen Erbfolgekrieg 1743-45 hielten sich in Grenzen. Im Juni 1743 richteten französische Truppen in Arheilgen ihr Hauptquartier ein und nahmen an Getreide mit, was ihnen in die Hände fiel, ebenso zwei Jahre später, als erneut 6.000 französische Soldaten bei Arheilgen lagerten. Auch das Ende des 18. Jahrhunderts verwickelte Arheilgen wie die gesamte Obergrafschaft wieder in kriegerische Auseinandersetzungen, die in Zusammenhang mit den Revolutionskriegen gegen Frankreich standen. Als nach dem gescheiterten ersten Koalitionskrieg französische Armeen im Oktober 1792 am Rhein standen und Frankfurt eroberten, wurden die hessen-darmstädtischen Truppen in Alarmbereitschaft versetzt, Hof und Regierung evakuiert. Als im August 1805 französische Truppen DA besetzten, Geiseln nahmen und erhebliche Summen an Kriegskontribution forderten, mussten sich viele Arheilger dafür jahrelang verschulden. Erneut wurden DA und Umgebung Anfang 1806 besetzt, um Großherzog Ludewig I. zum Beitritt zu dem von Frankreich dominierten Rheinbund zu zwingen. Auch die Arheilger hatten wieder französische Einquartierungen zu tragen.

Dem Ende der Napoleonischen Kriege, die eine längere Zeit des Friedens brachten, folgten für Arheilgen einschneidende politische und administrative Veränderungen: Die überfällige Reform der altertümlichen Agrarverfassung mit ihren drückenden Natural- und Geldlasten brachte vielfältige Erleichterungen. Der Beseitigung der Leibeigenschaft im Jahr 1809 folgte 1816 die ersatzlose Abschaffung aller Frondienste. 1836 schließlich wurden alle noch vorhandenen Zehntabgaben und sonstigen Fruchtzinsen, Martinsgänse und Rauchhühner, die an die Gemeinde, an Pfarreien, Hospitäler und sonstige Begünstigte entrichtet wurden, entweder in Geldabgaben umgewandelt oder abgelöst. Die Gemeindereform von 1821 stellte den Beginn der kommunalen Selbstverwaltung dar. Das Amt des Schultheißen wurde durch den vom neuen Gemeinderat gewählten Bürgermeister ersetzt. Der Ortsvorstand bestand aus dem Bürgermeister, einem Beigeordneten als Vertreter sowie dem Gemeinderat aus 9 Mitgliedern. Mit der Landgemeindeordnung von 1874 wurde die Zahl auf 12 Gemeinderäte erhöht. Den Ortsvorstand wählte die aus sämtlichen Ortsbürgern bestehende Gemeindeversammlung. Ortsvorstand und Gemeinderat residierten und tagten seit 1840 im neuen klassizistischen Rathaus, das anstelle des alten abgerissenen Rathauses von 1589 errichtet worden war. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wandelte sich auch das Arheilger Ortsbild, das sich bis dahin immer noch im mittelalterlichen Umfang bewegt hatte. Der Ort dehnte sich über den Dorfgraben aus. An der heutigen Unteren Mühlstraße, an der Chaussee nach Frankfurt nördlich der Schreiberpforte, nach DA südlich des Löwen entstanden die ersten Häuser. Die Einwohnerzahl stieg auf 1.700 im Jahr 1829 und überschritt die 3.000 bis zum Ende des Jahrhunderts. 1914 waren es bereits 6.000.

Messeler Straße und Auferstehungskirche im Arheilger „Unterdorf“, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Arheilgen auf dem Weg nach Darmstadt

Eine stürmische Bautätigkeit, zum Teil durch Firmen, die ganze Straßenzüge bebauten, war die Folge. Der Anstieg ist wesentlich der Industrialisierung zu danken, die an Arheilgen selbst weitgehend vorbeiging. Immer mehr Einwohner arbeiteten jedoch in den Darmstädter Industriebetrieben, vor allem bei der chemischen Fabrik E. Merck, nachdem diese ihre Fabrikanlage 1904 an den südlichen Ortsrand verlegt hatte. Kurz zuvor hatte sich auch die Firma Carl Schenck in Arheilgen niedergelassen. Daneben fanden viele Arheilger im Darmstädter Eisenbahn-Ausbesserungswerk in der Frankfurter Straße Arbeit. Die Arbeiter bildeten bald das Übergewicht gegenüber der kleineren Schicht der alteingesessenen Bauern und Handwerker. In der politischen Organisation der Arbeiterschaft liegt der Grund für die starke Position, welche die SPD in Arheilgen bis 1933 immer hatte. Für eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse sorgte zunächst die Eröffnung der Main-Neckar-Bahn (1846, Eisenbahn), mit der man bequem nach DA und Frankfurt kam. Seit 1889 war Arheilgen mit der Darmstädter Innenstadt auch durch die Dampfstraßenbahn (Straßenbahn) verbunden. 1907 wurde Arheilgen an die Darmstädter Gasversorgung angeschlossen. 1912 brannten hier bereits 122 Straßenlaternen. Ein Jahr zuvor war der Ort auch an das Darmstädter Wasserleitungsnetz (Wasserversorgung) angeschlossen worden. Seit 1924 erhielt Arheilgen elektrischen Strom durch die HEAG (Stromversorgung). Zugleich begann die lange Jahre in Anspruch nehmende Errichtung einer Kanalisation. Seit 1902 erschien mit dem „Arheilger Anzeiger“ eine Lokalzeitung. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in dem 216 Arheilger Männer fielen, führte zu einem Niedergang der wirtschaftlichen Blütezeit. Die nächsten Jahre waren gekennzeichnet durch Mangel an Lebensmitteln und Versorgungsgütern und eine rasch fortschreitende Geldentwertung. Die Zeit des Volksstaats Hessen bedeutete für Arheilgen zunächst die teilweise französische Besetzung. Die Grenze der französischen Besatzungszone des Brückenkopfs Mainz lief mitten durch den Ort und erschwerte den Kontakt zwischen den Ortsteilen. 1923 kam es zum Versuch, das besetzte Gebiet in einen selbstständigen, von Frankreich beherrschten Pufferstaat zu verwandeln. Im Oktober 1923 besetzten Befürworter dieser Neugliederung, so genannte Separatisten, das Rathaus, wurden aber von den Arheilgern nach ein paar Tagen vertrieben. Der Gemeindevorstand mit Bürgermeister Jakob Jung an der Spitze und über 20 Arheilger wurden verhaftet und wochenlang festgehalten. Obwohl die SPD auch bei der Reichstagswahl am 05.03.1933 mit 43,5 Prozent der Stimmen stärkste Partei in Arheilgen geblieben war, wurden Bürgermeister Jung und Beigeordneter Spengler, beides SPD-Mitglieder, am 3. April durch den NSDAP-Ortsgruppenleiter Julius Birkenstock entlassen. Im selben Jahr setzte auch in Arheilgen die Verfolgung der jüdischen Bürger ein, die seit dem 18. Jahrhundert eine relativ große Bevölkerungsgruppe gestellt hatten. Einige jüdische Familien verließen den Ort in den nächsten Jahren. In der Reichspogromnacht am 09./10.11.1938 wurden die Häuser fast aller noch hier lebenden Juden verwüstet. Aaron Reinhardt, der Herausgeber des Arheilger Anzeigers, beging Selbstmord, nachdem sich seine Tochter Hanna aus dem Fenster ihres Hauses in der Obergasse zu Tode gestürzt hatte. Die Weigerung von Pfarrer Karl Grein, seine Pfarrei in die NS-Kirchenorganisation der Deutschen Christen einzugliedern (Kirchenkampf), führte zum „Arheilger Kirchenkampf“. Zu dieser Zeit verlor Arheilgen seine Selbstständigkeit. Nachdem schon vor dem Ersten Weltkrieg mehrmals über eine Eingemeindung verhandelt wurde, verfügte Gauleiter Jakob Sprenger die Eingemeindung zum 01.04.1937 zwangsweise. Arheilgen war ein Stadtteil von DA geworden. Erst in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen Arheilgen und Darmstadt allmählich zusammen.

Lit.: Andres, Wilhelm: Alt-Arheilgen. Geschichte eines Dorfes, Darmstadt 1978 (Darmstädter Schriften 41); Ders.: Das Dorf am Ruthsenbach, Darmstadt 1986; Engels, Peter: Das Seligenstädter Zinsregister und die Ersterwähnung des Darmstädter Stadtteils Arheilgen. In: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, NF 60, 2002, S. 371-386; Benz, Peter: Arheilgens Entwicklung von 1900 bis 1933. In: 1175 Arheilgen, Festschrift, Darmstadt 2011, S. 10-15; Streiflichter auf die Geschichte und Gegenwart Arheilgens, Darmstadt 2012 (Schriftenreihe des Arheilger Geschichtsvereins Band 2).