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Alice Großherzogin von Hessen und bei Rhein
Foto: Stadtarchiv Darmstadt

(geb. Prinzessin von Großbritannien)
* 15.04.1843 London
† 14.12.1878 Darmstadt
Es hat „Princess Alice“, die zweite Tochter der englischen Queen Victoria und ihres Coburger Vetters Prinz Albert, entscheidend geprägt, dass sie nach der Heirat der älteren Schwester mit dem preußisch-deutschen Kronprinzen 1858 engste Vertraute des Vaters wurde, den sie auch während seiner tödlichen Typhus-Erkrankung Ende 1861 gepflegt hat. In DA war ebenfalls „Hoftrauer“, als Alice im Folgejahr als Frau des von Schwester „Vicky“ in Berlin zur Brautschau nach London geschickten Thronfolgers „Louis“ (später Ludwig IV.) nach Hessen kam, da Großherzogin Mathilde kurz zuvor ihrer Krebserkrankung erlegen war. Die junge Alice war damit alsbald „First Lady“, unterstützt vom weltläufigen Onkel Alexander und seiner Frau. Alices von den Ideen des Vaters geprägter sozialpolitischer Einsatz fand auch bei Großherzog Ludwig III. mehr Verständnis und Toleranz als die entsprechenden Versuche der Schwester in Bismarcks Berlin. Dass die junge „Königliche Hoheit“ nicht nur wohltätigen Komitees vorstehen, sondern selbst bei Krankenbesuchen Hand anlegen wollte, war ungewohnt. Helfer bei der Gründung des von der Londoner „Prince Consort Association“ angeregten „Bauvereins für Arbeiterwohnungen“ 1864 war Sekretär Ernst Becker, der frühere Bibliothekar des Vaters. Florence Nightingale beriet bei der Lazarettpflege im Krieg 1866, aus der sich der landesweit organisierte „Alice-Frauenverein für Krankenpflege“ (Alice-Frauenvereine) entwickelte, der mit dem künftigen Alice-Hospital eine eigene, nicht kirchlich gebundene Schwesternschule verband. Parallel dazu entstand unter Mitwirkung Luise Büchners der „Alice-Verein für Frauenbildung und Erwerb“, der 1874 die „Alice-Schule“ eröffnen konnte. Mit Kronprinzessin Victoria zusammen organisierte Alice 1872 den ersten Kongress der deutschen Frauenvereine in der Darmstädter Loge (Moller-Haus). Ein schwerer Schlag war der Unfalltod des bluterkranken zweiten Sohnes „Fritty“ 1873, ein, aber nicht der einzige Grund für die in der Folgezeit spürbaren Depressionen. Die mit dem Regierungsantritt des Mannes 1877 gebotenen neuen Möglichkeiten konnten nicht mehr genutzt werden. Schon Ende des Folgejahrs erlag die als Pflegerin der Familie engagierte Alice, wenige Tage nach dem Tod der jüngsten Tochter May, einer vor Erfindung des Behring-Serums immer lebensgefährlichen Diphterie-Epidemie. Sohn Ernst Ludwig ließ der Mutter zum 25. Todestag den von Ludwig Habich geschaffenen Gedenk-Obelisken (Alice-Denkmal) vor der Ludwigskirche errichten. Die Alicenstraße im Johannesviertel wurde 1872 nach ihr benannt. Ihre Grabstätte ist im Neuen Mausoleum (Mausoleen) auf der Rosenhöhe.

Lit.: Alice, Großherzogin von Hessen und bei Rhein. Mitteilungen aus ihrem Leben und aus ihren Briefen, hrsg. von Karl Sell, Darmstadt 1883, Nachdruck Darmstadt 1982; Noel, G.: Princess Alice. Queen Victoria’s forgotten daughter, London 1974; Franz, Eckhart G.: Victorias Schwester in Darmstadt. Großherzogin Alice von Hessen und bei Rhein. In: Rainer von Hessen (Hrsg.): Victoria Kaiserin Friedrich, Frankfurt 2002, S. 80-93; Haus Hessen. Biografisches Lexikon, hrsg. von Eckhart G. Franz (Arbeiten der Hessischen Historischen Kommission, NF 34), Darmstadt 2012, HD 78, S. 357f.